Europäische Cloud-Anbieter ziehen in Brüssel die Reißleine: Der Streit um Broadcoms VMware-Partnerpolitik eskaliert zum regulatorischen Showdown – mit weitreichenden Konsequenzen für den gesamten europäischen Virtualisierungsmarkt.
Cloud-Anbieter rufen Brüssel zur Hilfe: Streit um VMware-Partnerprogramm eskaliert
Mehrere europäische Cloud-Dienstleister haben die EU-Kommission aufgefordert, Broadcom zur Wiederherstellung des VMware-Partnerprogramms zu zwingen. Hintergrund ist die nach der Übernahme von VMware durch Broadcom drastisch veränderte Lizenz- und Partnerpolitik – die für viele kleinere Anbieter schlicht das Aus bedeutet.
Was auf dem Spiel steht
Broadcom hatte VMware Ende 2023 für rund 69 Milliarden US-Dollar übernommen. Was folgte, war eine der umstrittensten Produktstrategie-Umstellungen der jüngeren IT-Geschichte: Das Unternehmen strich zahlreiche Einzellizenzen, drängte Kunden in teure Bundle-Abonnements und beendete faktisch das bisherige Partnerprogramm, über das Cloud-Anbieter VMware-Produkte weiterverkaufen und unterstützen konnten.
Für mittelgroße europäische Cloud-Service-Provider war das keine abstrakte Geschäftspolitik, sondern ein existenzielles Problem.
Ohne den Zugang zum Partnerprogramm verlieren sie nicht nur Margen – sie verlieren die Grundlage, auf der ihre Angebote überhaupt aufgebaut sind.
Der Gang nach Brüssel
Die betroffenen Anbieter haben sich nun direkt an die EU-Wettbewerbsbehörden gewandt. Konkret fordern sie, dass Broadcom verpflichtet wird, das abgewickelte Programm unter fairen und diskriminierungsfreien Bedingungen wieder zugänglich zu machen. Das Argument: Broadcom missbrauche seine marktbeherrschende Stellung im Bereich Virtualisierungssoftware, um unliebsame Wettbewerber vom Markt zu verdrängen.
Die Stoßrichtung ist nicht neu – ähnliche Beschwerden hatte es bereits kurz nach dem Abschluss der Übernahme gegeben. Doch die Entschlossenheit, mit der die Anbieter jetzt regulatorisch vorgehen, signalisiert: Der Druck hat sich aufgestaut, und die Geduld ist aufgebraucht.
Broadcom zwischen Marktmacht und Regulierungsdruck
Broadcom befindet sich damit erneut im Visier europäischer Behörden. Die EU hatte die VMware-Akquisition seinerzeit nur unter Auflagen genehmigt – unter anderem mit der Zusage, Interoperabilität für Drittanbieter zu gewährleisten.
Ob die jetzige Partnerpolitik gegen diese Auflagen verstößt, dürfte die Kernfrage des Verfahrens werden.
Für Broadcom steht bei einem negativen Ausgang mehr als nur eine Programmänderung auf dem Spiel: Ein regulatorischer Eingriff könnte Präzedenzwirkung entfalten und die gesamte Post-Merger-Strategie des Unternehmens in Europa infrage stellen.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Wer hierzulande VMware-Infrastruktur betreibt – und das ist in mittelständischen Rechenzentren noch immer der Normalfall – spürt die Folgen dieser Auseinandersetzung direkt:
- Steigende Lizenzkosten ohne vergleichbaren Mehrwert
- Wegfallende Ansprechpartner beim lokalen Anbieter
- Unsicherheit über die langfristige Produktverfügbarkeit
Das sind keine theoretischen Risiken, sondern laufende Beschaffungsprobleme. Die Entscheidung der EU-Kommission dürfte wegweisend dafür sein, wie viel Handlungsspielraum Broadcom auf dem europäischen Markt behält – und wie attraktiv Alternativen wie OpenStack oder Proxmox künftig werden könnten.
Quelle: Ars Technica
