Jack Conte, CEO von Patreon, hat beim SXSW-Festival eine klare Ansage gemacht: Das Fair-Use-Argument der KI-Industrie sei schlicht falsch – und Kreative müssten für die Nutzung ihrer Werke beim Modelltraining vergütet werden.
Patreon-Chef macht Fair-Use-Argument der KI-Branche frontal nieder
Jack Conte, CEO der Creator-Plattform Patreon, hat beim SXSW-Festival in Austin unmissverständlich Stellung bezogen: Die Behauptung großer KI-Konzerne, das massenhafte Training ihrer Modelle mit urheberrechtlich geschützten Inhalten falle unter die amerikanische Fair-Use-Doktrin, sei schlicht und einfach falsch. Urheber müssten für die Nutzung ihrer Werke vergütet werden – Punkt.
Das Argument, das die KI-Branche trägt – und warum es Conte nicht trägt
Die meisten großen KI-Anbieter stützen ihr Geschäftsmodell auf eine juristische Überzeugung: Das Training von Large Language Models sowie Bild- und Audiogeneratoren mit öffentlich verfügbaren Daten stelle eine transformative Nutzung dar und sei damit durch das US-amerikanische Fair-Use-Prinzip gedeckt. Mehrere laufende Gerichtsverfahren – von The New York Times gegen OpenAI bis hin zu Sammelklagen von Fotografen und Musikern – drehen sich genau um diese Frage.
Conte sieht das anders. Grundlegend anders.
„Wer das Werk eines Künstlers nimmt, daraus ein Modell destilliert, das wiederum ähnliche Werke produzieren kann, und dabei keinen Cent zahlt – der bedient sich schlicht.”
Dass der Prozess digital und im großen Maßstab stattfindet, ändere an der moralischen Grundfrage nichts.
Was auf dem Spiel steht
Patreon hat ein offensichtliches Interesse an dieser Debatte. Die Plattform lebt davon, dass Kreative – Podcaster, Illustratoren, Musiker, Schriftsteller – ein tragfähiges Einkommen aufbauen können. Wenn KI-Systeme freimütig auf deren Werke zugreifen dürfen, ohne Lizenzgebühren zu entrichten, untergräbt das langfristig genau das Ökosystem, das Patreon finanziert.
Contes Forderung ist deshalb nicht nur ethischer Natur – sie ist geschäftspolitisch. Er verlangt klare Lizenzierungsmodelle: Wer urheberrechtlich geschützte Inhalte zum Training nutzt, soll dafür zahlen – ähnlich wie Musikstreamingdienste für jeden Abruf Lizenzgebühren abführen. Ein solches System existiert bislang nicht. Stattdessen verlassen sich die KI-Konzerne auf den Ausgang laufender Prozesse – oder schlicht auf die Trägheit des Gesetzgebers.
Klagen häufen sich, Urteile fehlen noch
Die juristische Lage bleibt unübersichtlich. In den USA laufen dutzende Verfahren parallel, und ein richtungweisendes Grundsatzurteil lässt auf sich warten. In Europa gibt es zumindest einen regulatorischen Rahmen: Der AI Act der EU verpflichtet Anbieter zu Transparenz über genutzte Trainingsdaten – eine Pflicht, deren Durchsetzung aber noch in den Kinderschuhen steckt.
Was fehlt, ist ein funktionierendes Vergütungsmodell.
Einige Verlage haben bereits direkte Lizenzverträge mit OpenAI oder Google abgeschlossen – darunter der Axel-Springer-Konzern. Doch für die überwiegende Mehrheit der Kreativen, die keine Verhandlungsmacht eines Medienkonzerns besitzen, existiert kein vergleichbarer Mechanismus.
Was das für deutsche Unternehmen und Kreative bedeutet
Für deutschsprachige Unternehmen, die KI-Tools in Content-Produktion, Marketing oder Produktentwicklung einsetzen, wird die Rechtslage zunehmend relevant. Wer auf KI-generierte Inhalte setzt, sollte die Herkunft der Trainingsdaten der genutzten Modelle im Blick behalten – nicht zuletzt wegen möglicher Haftungsrisiken, falls urheberrechtliche Ansprüche in Europa schärfer durchgesetzt werden.
Die Debatte, die Conte beim SXSW laut geführt hat, dürfte spätestens dann auch hierzulande ankommen, wenn die ersten EU-weiten Klagen spruchreif werden.
Quelle: TechCrunch
