Das britische Energieunternehmen Reabold Resources sorgt mit seinen Plänen für Aufsehen: Erdgas aus eigenen Feldern soll künftig Bitcoin-Mining antreiben – ein Modell, das in Nordamerika längst Realität ist, in Europa jedoch auf erheblichen politischen und öffentlichen Widerstand stößt.
Britisches Gasunternehmen Reabold Resources plant Bitcoin-Mining – und erntet Kritik
Gasfeld als Energiequelle für Miner
Reabold Resources, ein kleines britisches Öl- und Gasexplorationsunternehmen (Tickersymbol: RBD), prüft die Möglichkeit, Erdgas aus eigenen Feldern direkt zur Stromerzeugung für Bitcoin-Mining-Operationen einzusetzen. Die Idee ist nicht neu: In den USA und Kanada nutzen zahlreiche Betreiber sogenanntes Begleitgas oder schwer vermarktbares Erdgas, um Mining-Hardware vor Ort zu betreiben – anstatt das Gas abzufackeln oder ungenutzt zu lassen.
Das Unternehmen betonte gegenüber britischen Medien, dass die Versorgung des heimischen Energiemarkts weiterhin im Mittelpunkt seiner Geschäftstätigkeit stehe. Bitcoin-Mining sei lediglich eine ergänzende Option für bestimmte Felder mit eingeschränkten Netzanschlussmöglichkeiten.
Kritik aus Medien und Öffentlichkeit
Nachdem der britische Telegraph über die Pläne berichtete, geriet das Unternehmen unter Beschuss. Skeptiker bemängeln:
- Fossile Energieträger sollten nicht für rechenintensives Kryptowährungs-Mining verwendet werden, solange Großbritannien seine Klimaziele verfolgt
- Die gesellschaftliche Nützlichkeit des Bitcoin-Minings sei im Vergleich zur direkten Netzeinspeisung fragwürdig
„Gas aus bestimmten Quellen findet ohnehin keinen direkten Weg ins Netz – Mining ermöglicht eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung, ohne die reguläre Energieversorgung zu beeinträchtigen.”
— Reabold Resources
Das Unternehmen wies die Kritik damit teilweise zurück: Wo Gas andernfalls ungenutzt bliebe, schaffe Mining einen Mehrwert – ohne zusätzliche Emissionen zu verursachen.
Stranded Gas als Mining-Ressource – ein globales Muster
Das Modell folgt einem Trend, der sich in Nordamerika bereits fest etabliert hat. Dort setzen Mining-Unternehmen wie Crusoe Energy auf sogenanntes „Stranded Gas” – Erdgas, das aufgrund fehlender Infrastruktur nicht wirtschaftlich ins Netz eingespeist werden kann. Mobile Mining-Container direkt an der Quelle monetarisieren dieses Gas und reduzieren gleichzeitig die Abfackelungsrate.
In Europa gestaltet sich ein solches Modell regulatorisch deutlich komplexer. Die Energiepolitik der EU und Großbritanniens setzt auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien – fossile Sondernutzungen sind politisch heikel, auch wenn sie ökologisch der bloßen Abfackelung überlegen sein mögen.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Energieversorger und Industrieunternehmen mit ungenutzten Gaskapazitäten oder schwer vermarktbaren Strommengen bietet das britische Beispiel eine aufschlussreiche Blaupause – und eine Warnung zugleich:
Die technische Machbarkeit von Mining-Operationen auf Basis von Überschussenergie ist unbestritten. Der öffentliche und regulatorische Gegenwind in Deutschland dürfte jedoch mindestens so stark ausfallen wie in Großbritannien.
Wer derartige Projekte erwägt, sollte frühzeitig sowohl die kommunikative als auch die genehmigungsrechtliche Dimension einplanen – bevor Schlagzeilen die Debatte bestimmen.
Quelle: Decrypt AI