Meta lässt Tastenanschläge, Mausklicks und Mausbewegungen seiner Mitarbeiter aufzeichnen – und nutzt diese Daten zum Training eigener KI-Modelle. Was in den USA als interne Datenquelle gilt, bewegt sich im europäischen Rechtsraum auf gefährlich dünnem Eis.
Meta erfasst Tastenanschläge von Mitarbeitern als KI-Trainingsdaten
Was Meta konkret tut
Laut einem Bericht von TechCrunch hat Meta ein internes Tool entwickelt, das Interaktionen von Mitarbeitern am Computer – darunter Tastatureingaben sowie Maus- und Klickverhalten – in strukturierte Datensätze umwandelt. Diese sollen anschließend genutzt werden, um Metas eigene Large Language Models zu verbessern. Ziel ist offenbar, realistische Nutzungsverhalten in die Modellentwicklung einfließen zu lassen – unter anderem aus der Nutzung von Kommunikationstools wie Slack.
Meta betont, es handle sich um interne, freiwillig bereitgestellte Daten – Details zur Einwilligung, Datenspeicherung oder Anonymisierung blieben bislang jedoch öffentlich unbeantwortet.
Rechtliche Grauzone in Europa
In der Europäischen Union und insbesondere in Deutschland gelten für die Überwachung von Arbeitnehmern strenge gesetzliche Anforderungen. Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in Verbindung mit der DSGVO schreibt vor, dass die Verarbeitung personenbezogener Beschäftigtendaten einer klaren Rechtsgrundlage bedarf – eine lückenlose Tastaturerfassung ist ohne explizite Einwilligung in der Regel nicht zulässig.
Selbst bei formaler Zustimmung ist fraglich, ob diese im Arbeitsverhältnis als wirklich freiwillig gilt – strukturelle Machtasymmetrien zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sprechen dagegen. In Deutschland hätten Betriebsräte bei der Einführung eines solchen Systems zwingend Mitbestimmungsrechte.
Einordnung: Branchentrend mit Vorbildwirkung
Das Vorgehen Metas steht nicht isoliert. Verschiedene Technologiekonzerne suchen zunehmend nach internen Datenquellen, um KI-Modelle mit authentischen Nutzungsmustern zu trainieren, ohne auf öffentlich zugängliche Daten angewiesen zu sein.
Mitarbeiterdaten gelten als besonders wertvoll, weil sie professionelle Interaktionsmuster abbilden, die sich von Konsumentendaten deutlich unterscheiden.
Die Frage, wem diese Daten gehören und unter welchen Bedingungen sie für kommerzielle KI-Entwicklung genutzt werden dürfen, ist auch in den USA zunehmend Gegenstand politischer und regulatorischer Diskussionen.
Bedeutung für deutsche Unternehmen
Für Unternehmen in Deutschland, die ähnliche Ansätze erwägen, ist Vorsicht geboten. Vor der Einführung entsprechender Erfassungsmechanismen sind zwingend erforderlich:
- Eine datenschutzrechtliche Folgenabschätzung
- Die frühzeitige Einbindung des Betriebsrats
- Eine klare vertragliche Grundlage
Die Aufsichtsbehörden in Deutschland haben in der Vergangenheit bei Verstößen gegen das Beschäftigtendatenschutzrecht empfindliche Bußgelder verhängt.
Metas Vorgehen dürfte in dieser Form auf dem europäischen Markt nicht ohne erhebliche rechtliche Anpassungen umsetzbar sein.
Quelle: TechCrunch AI