Google hat auf der Cloud Next ’26 sein umfassendstes KI-Portfolio seit Jahren präsentiert – von neuen Spezialchips bis hin zu intelligenten Agenten in der Bürosoftware. Der rote Faden: das Konzept des “Agentic Enterprise”, in dem KI-Systeme eigenständig operative Aufgaben übernehmen.
Google Cloud Next ’26: Neue TPU-Generation, Agenten-Plattform und überarbeitete Workspace-Integration
Google hat auf seiner Jahreskonferenz Cloud Next ’26 eine Reihe von Produktankündigungen präsentiert, die sich um das Leitthema “Agentic Enterprise” gruppieren. Im Mittelpunkt stehen die achte Generation der hauseigenen TPU-Chips, eine erneuerte Plattform für KI-Agenten sowie eine neue Intelligenzschicht für die Workspace-Suite.
Neue TPU-Generation als Infrastrukturbasis
Mit der achten TPU-Generation setzt Google seinen Kurs fort, die eigene KI-Infrastruktur unabhängig von externen Chip-Lieferanten weiterzuentwickeln. Die neuen Tensor Processing Units sollen die Trainings- und Inferenzleistung für Large Language Models deutlich steigern und Cloud-Kunden über die Google Cloud Platform zur Verfügung stehen.
Für Unternehmen, die rechenintensive KI-Workloads in der Google Cloud betreiben, ist die neue Chip-Generation unmittelbar relevant – sie wirkt sich direkt auf Kosten und Verarbeitungsgeschwindigkeit aus.
Konkrete Leistungsdaten nannte Google im Rahmen der Konferenz, ohne dass bereits umfassende unabhängige Benchmarks vorliegen.
Agenten-Plattform mit erweiterter Orchestrierung
Ein zweiter Schwerpunkt der Veranstaltung war die überarbeitete Agenten-Plattform. Google positioniert sich damit im wachsenden Markt für sogenannte Agentic AI – also KI-Systeme, die eigenständig mehrstufige Aufgaben ausführen, externe Werkzeuge nutzen und mit anderen Agenten interagieren können.
Die Plattform bietet konkret:
– Orchestrierung mehrerer Agenten in komplexen Workflows
– Integration in Drittanbieter-Systeme über standardisierte Schnittstellen
– Enge Verknüpfung mit Vertex AI und Gemini als zugrunde liegendem Modell
Entwicklern und Unternehmen soll die Plattform erleichtern, solche Agenten zu erstellen, zu überwachen und in bestehende Geschäftsprozesse einzubinden.
Workspace Intelligence als neues Produktversprechen
Unter dem Begriff “Workspace Intelligence” bündelt Google KI-Funktionen, die direkt in die bekannten Produktivitätswerkzeuge wie Gmail, Docs, Sheets und Meet eingebettet werden.
Anders als bisherige Einzelfunktionen soll diese Schicht kontextübergreifend arbeiten – Informationen aus E-Mails, Kalendereinträgen und Dokumenten werden zusammengeführt, um Nutzern proaktiv Vorschläge zu unterbreiten oder Aufgaben zu automatisieren.
Google vermarktet das unter dem Dach von Gemini for Workspace, das für Unternehmenskunden bereits in verschiedenen Lizenzstufen verfügbar ist. Die neuen Funktionen werden schrittweise ausgerollt; ein verbindlicher Zeitplan für einzelne Features wurde noch nicht kommuniziert.
Strategische Rahmung: “Agentic Enterprise”
Google fasst die Summe seiner Ankündigungen unter dem Begriff “Agentic Enterprise” zusammen – ein Konzept, das Unternehmen beschreibt, in denen KI-Agenten operative Aufgaben übernehmen und Mitarbeitende bei Entscheidungen unterstützen.
Das ist weniger eine konkrete Produktkategorie als eine strategische Positionierung gegenüber vergleichbaren Initiativen von Microsoft, Salesforce und anderen Cloud-Anbietern, die ähnliche Konzepte unter eigenen Markennamen verfolgen.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutschsprachige Unternehmen, die Google Cloud bereits nutzen oder einen Einstieg prüfen, sind vor allem zwei Aspekte relevant:
- Günstigere Rechenkosten: Die neuen TPUs könnten KI-Workloads kostengünstiger machen – vorausgesetzt, Google gibt die Effizienzgewinne über die Preisgestaltung weiter.
- Prozessautomatisierung ohne eigene Modelle: Die Agenten-Plattform ist besonders interessant für Betriebe, die repetitive Abläufe automatisieren möchten, ohne eigene Modelle trainieren zu wollen.
Entscheidend wird sein, wie tief sich Googles Agenten-Infrastruktur in bestehende ERP- und CRM-Systeme integrieren lässt – ein Punkt, bei dem Microsoft mit seinem Copilot-Ökosystem im deutschsprachigen Unternehmensumfeld aktuell noch einen Vorsprung hält.
Quelle: The Decoder