Stablecoin-Handelsvolumen könnte bis 2035 auf 1,5 Billionen US-Dollar steigen

Eine neue Hochrechnung des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis lässt aufhorchen: Das globale Handelsvolumen von Stablecoins könnte bis 2035 auf astronomische 1,5 Billiarden US-Dollar anwachsen – und damit klassische Zahlungsnetzwerke wie Visa oder Mastercard weit in den Schatten stellen. Was steckt hinter dieser Prognose, und was bedeutet sie für Unternehmen in Deutschland?

Stablecoin-Handelsvolumen könnte bis 2035 auf 1,5 Billiarden US-Dollar steigen

Eine neue Analyse des Blockchain-Datenunternehmens Chainalysis prognostiziert, dass das globale Handelsvolumen von Stablecoins bis zum Jahr 2035 auf bis zu 1,5 Quadrillionen US-Dollar – also 1,5 Billiarden – anwachsen könnte. Damit würden diese digitalen Zahlungsmittel klassische Zahlungsnetzwerke wie Visa oder Mastercard in ihrer Reichweite deutlich übertreffen.


Wachstumstreiber: Generationenwechsel und Point-of-Sale

Laut Chainalysis sind es vor allem zwei strukturelle Faktoren, die dieses Wachstum antreiben könnten:

  • Generationaler Vermögenstransfer: Jüngere Bevölkerungsgruppen, die mit digitalen Assets aufgewachsen sind, erben in den kommenden Jahren substanzielle Vermögen – und dürften einen wachsenden Anteil davon in Stablecoin-basierten Systemen halten und bewegen.
  • Point-of-Sale-Integration: Die zunehmende Einbindung von Stablecoins an physischen Verkaufspunkten ebnet den Weg zur direkten Nutzung im alltäglichen Zahlungsverkehr.

Bereits heute zeigen Zahlen, dass Stablecoins keine Nischenerscheinung mehr sind. USDT (Tether) und USDC (Circle) dominieren den Markt mit einer kombinierten Marktkapitalisierung im dreistelligen Milliardenbereich. Stripe, Mastercard und andere etablierte Finanzdienstleister haben in den vergangenen Monaten begonnen, Stablecoin-Zahlungen in ihre Infrastruktur zu integrieren.


Regulatorischer Rückenwind verändert das Bild

Ein wesentlicher Faktor für die positive Prognose ist die sich verändernde Regulierungslandschaft:

„Regulatorische Reife ist die Voraussetzung dafür, dass institutionelle Akteure und Unternehmenskunden Stablecoins in nennenswertem Umfang einsetzen.”

In den USA arbeitet der Kongress an einem Stablecoin-Rahmengesetz, das für mehr rechtliche Klarheit sorgen soll. In der Europäischen Union ist mit der MiCA-Verordnung bereits ein verbindliches Regelwerk in Kraft getreten, das Emittenten von E-Geld-Token klare Anforderungen an Kapitalunterlegung, Transparenz und Lizenzierung vorschreibt.

Solange rechtliche Unsicherheiten bestanden, blieben viele Finanzabteilungen zurückhaltend. Diese Phase neigt sich dem Ende.


Traditionelle Zahlungsnetzwerke unter Druck

Zum Vergleich: Visa und Mastercard wickeln zusammen ein jährliches Transaktionsvolumen von mehreren Billionen US-Dollar ab. Die von Chainalysis genannte Zahl von 1,5 Billiarden würde dieses Niveau um ein Vielfaches übersteigen – sofern die Prognose auch nur annähernd eintritt.

Kritiker weisen darauf hin, dass derartige Langzeitprojektionen mit erheblicher Unsicherheit behaftet sind und von technologischen, regulatorischen sowie makroökonomischen Variablen abhängen, die heute kaum zuverlässig bewertet werden können.

Dennoch signalisieren die Wachstumsraten der vergangenen Jahre eine klare Richtung: Das Stablecoin-Handelsvolumen hat sich seit 2020 mehrfach vervielfacht, und die Infrastruktur für breite Unternehmensnutzung reift zunehmend heran.


Einordnung für deutsche Unternehmen

Für Finanzverantwortliche und Treasurer in deutschen Unternehmen ist die Frage, ob und wann Stablecoins operative Relevanz erreichen, keine ferne Spekulation mehr. Relevante Anwendungsszenarien umfassen bereits heute:

  • Grenzüberschreitende Zahlungen ohne Korrespondenzbanken
  • Finanzierung von Lieferketten in Schwellenländern
  • Echtzeitabwicklung ohne klassische Bankinfrastruktur

Die MiCA-Regulierung bietet dabei einen stabilen europäischen Rahmen – und macht den Einstieg in die Thematik kalkulierbarer als in anderen Jurisdiktionen. Wer die technischen und regulatorischen Grundlagen von Stablecoin-Infrastrukturen jetzt versteht, verschafft sich einen strukturellen Vorsprung.


Quelle: Decrypt AI

Scroll to Top