Der Fachkräftemangel in der Cybersecurity erreicht eine neue, beunruhigende Dimension: Nicht nur die hohe Nachfrage nach Spezialisten treibt die Lücke voran – es sind die Fachkräfte selbst, die zunehmend die Reißleine ziehen wollen.
Alarmierende Abwanderungsbereitschaft: Fast die Hälfte aller Cybersecurity-Fachkräfte denkt ans Aufhören
Laut einer aktuellen Studie, über die ZDNet berichtet, erwägt fast die Hälfte aller Cybersecurity-Profis, ihren Job in absehbarer Zeit aufzugeben. Als Hauptgrund nennen Betroffene chronische Überlastung und Burnout – ein Befund, der die Branche vor eine strukturelle Zerreißprobe stellt.
Dauerdruck ohne Auszeit: Der Alltag in Sicherheitsteams
Die psychische Belastung in der IT-Sicherheit rückt zunehmend in den Fokus. Cybersecurity-Experten arbeiten in einem Umfeld, das kaum Erholungsphasen kennt:
- Bedrohungen müssen rund um die Uhr überwacht werden
- Angriffe können jederzeit und ohne Vorwarnung eintreten
- Der Druck, im Ernstfall fehlerfrei zu reagieren, ist enorm
- Kontinuierliche Weiterbildung zu neuen Angriffsmethoden erfolgt oft außerhalb der regulären Arbeitszeiten
„Erfolgreiche Abwehr von Angriffen bleibt oft unbemerkt – sichtbar wird die Arbeit erst dann, wenn etwas schiefläuft.”
Dieses strukturelle Anerkennungsdefizit trägt dazu bei, dass selbst gut bezahlte Positionen langfristig unattraktiv wirken.
Der Teufelskreis der Unterbesetzung
Besonders problematisch ist das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Aufgabenlast und verfügbaren Ressourcen. Viele Teams sind chronisch unterbesetzt: Wer ausfällt oder kündigt, hinterlässt eine Lücke, die das verbleibende Team noch stärker belastet – ein Kreislauf, den Branchenbeobachter seit Jahren beschreiben und der sich nun in konkreten Kündigungsabsichten niederschlägt.
Hinzu kommen mangelnde Karriereperspektiven und unzureichende Unterstützung durch das Management beim Durchsetzen von Sicherheitsmaßnahmen – Frustrationen, die sich über Monate und Jahre aufschichten.
Wissensabfluss als reales Sicherheitsrisiko
Der Rückzug erfahrener Fachkräfte hat unmittelbare Konsequenzen für die Sicherheitslage von Unternehmen. Wissen, das über Jahre in einem Team aufgebaut wurde, lässt sich nicht kurzfristig ersetzen:
Jede Abwanderung bedeutet nicht nur einen Verlust an Kapazität, sondern auch an institutionellem Wissen über bestehende Infrastrukturen, vergangene Vorfälle und eingespielte Prozesse.
Neubesetzungen dauern in der Cybersecurity-Branche erfahrungsgemäß länger als in anderen IT-Disziplinen – die Einarbeitungszeit ist erheblich.
Was IT-Entscheider jetzt tun müssen
Für deutsche Unternehmen ist das ein Signal, das weit über die Personalplanung hinausgeht. Wer Burnout und Fluktuation in seiner Security-Abteilung ignoriert, riskiert mittelfristig:
- Höhere Rekrutierungskosten
- Reale Lücken im Schutz gegen Cyberangriffe
- Verlust kritischen institutionellen Wissens
Investitionen in Teamgröße, mentale Gesundheitsangebote und eine anerkennende Unternehmenskultur sind damit keine weichen Maßnahmen – sondern ein integraler Bestandteil ernsthafter Risikosteuerung.
Quelle: ZDNet – Nearly half of cybersecurity pros want to quit – here’s why