Eine neue Gallup-Studie liefert ein überraschendes Bild: Die Generation, die mit Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen ist, begegnet Künstlicher Intelligenz zunehmend mit Skepsis – und nutzt sie trotzdem. Was steckt hinter diesem Widerspruch, und was bedeutet er für Unternehmen?
Gen Z und KI: Wachsende Skepsis bei gleichzeitig hoher Nutzung
Ernüchterung in Zahlen
Das Marktforschungsinstitut Gallup befragte zwischen Februar und März 2025 knapp 1.600 US-amerikanische Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 29 Jahren zu ihren Einstellungen gegenüber KI. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Verschiebung:
- Nur noch 18 Prozent gaben an, gegenüber KI hoffnungsvoll gestimmt zu sein – im Vorjahr waren es noch 27 Prozent.
- Der Anteil der Begeisterten fiel von 36 auf 22 Prozent.
- Der Anteil derer, die Ärger über KI empfinden, stieg von 22 auf 31 Prozent.
- Die allgemeine Angst vor der Technologie blieb mit rund 40 Prozent vergleichsweise stabil.
Diese Zahlen widersprechen dem gängigen Bild der sogenannten Digital Natives als unkritische Technologieadopter.
Gerade weil Gen Z mit sozialen Medien, Smartphones und datengetriebenen Plattformen aufgewachsen ist, scheint Vertrauen in neue Technologien keineswegs automatisch vorhanden zu sein.
Nutzungsdruck trotz Vorbehalten
Auffällig ist, dass die sinkende Begeisterung die tatsächliche Nutzung kaum bremst. Viele junge Menschen setzen KI-Tools im schulischen oder beruflichen Kontext ein, obwohl sie der Technologie skeptisch gegenüberstehen. Der wahrgenommene Druck, wettbewerbsfähig zu bleiben, scheint größer zu sein als die persönlichen Vorbehalte.
Laut Gallup hat sich zudem die Einschätzung verschoben, was der Einsatz von KI tatsächlich kostet – gemeint sind keine finanziellen, sondern persönliche und gesellschaftliche Kosten: Verdrängung eigener Fähigkeiten, Abhängigkeit von Technologie und wachsende Jobrisiken.
Dieses Muster – Nutzung trotz Ablehnung – ist aus der Sozialpsychologie als instrumenteller Konformitätsdruck bekannt und deutet darauf hin, dass viele junge Menschen KI weniger als Chance denn als Notwendigkeit wahrnehmen.
Zwischen Arbeitsmarktangst und Kontrollverlust
Hintergrund der wachsenden Skepsis dürfte auch die zunehmende öffentliche Debatte über KI-bedingte Jobverdrängung sein. Während Unternehmen und Tech-Konzerne KI als Produktivitätswerkzeug bewerben, sehen viele junge Berufseinsteiger in ihr eine potenzielle Bedrohung ihrer Karriereperspektiven.
Die Gallup-Daten legen nahe, dass diese Ambivalenz kein Übergangsphänomen ist, sondern sich strukturell verfestigt.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für Personalabteilungen und Führungskräfte hierzulande liefern die Gallup-Daten einen wichtigen Hinweis: Die Annahme, dass jüngere Mitarbeitende KI-Tools vorbehaltlos annehmen, greift zu kurz.
Wer KI erfolgreich in bestehende Arbeitsprozesse integrieren will, sollte auf drei Dinge setzen:
- Transparente Kommunikation über Einsatzzwecke und Grenzen der Technologie
- Konkrete Angebote zur Kompetenzentwicklung, die Eigenverantwortung stärken
- Aktiven Dialog statt Top-down-Einführung neuer Tools
Unternehmen, die Gen-Z-Talente gewinnen und halten wollen, sollten KI nicht als Selbstläufer behandeln – sondern als Thema, das echte Gestaltung und Gesprächsbereitschaft erfordert.
Quelle: Gallup / The Verge AI