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Tech-Deals unter Verdacht: Wenn Due Diligence vor gefälschten Unterschriften und internen Machenschaften kapituliert
Zwei aktuelle Fälle in den USA zeigen, wie schnell hochdotierte Technologie-Transaktionen in rechtliche Schieflagen geraten können – und dass die Risiken nicht nur bei externen Bedrohungen liegen. Eine 250-Millionen-Dollar-Übernahme zerbrach an mutmaßlichen Fälschungen, während bei Truth Social interne Geschäftspraktiken vor Gericht landen.
Gefälschte Unterschriften und verschwundene Millionen
Der geplante Verkauf des Video-Editing-Startups VideoVerse an einen nicht genannten Käufer für 250 Millionen Dollar scheiterte nach Angaben von TechCrunch an schwerwiegenden Vorwürfen gegen Mitgründer Vinayak Shrivastav. Investoren, die auf ihren Anteil an dem Deal warteten, sollen leer ausgegangen sein. Im Zentrum der Vorwürfe stehen mutmaßlich gefälschte Unterschriften sowie Betrugsabsicht, die das gesamte Transaktionskonstrukt unterminierten. (TechCrunch)
Der Fall illustriert ein klassisches M&A-Risiko: Selbst bei scheinbar etablierten Due-Diligence-Prozessen können interne Stakeholder die Integrität der Dokumentation unterlaufen. Für deutsche Unternehmen, die im transatlantischen Tech-Segment aktiv sind, unterstreicht der Vorfall die Notwendigkeit verifizierter Signaturprozesse und der unabhängigen Prüfung von Gesellschafterstrukturen – insbesondere bei Gründer-geführten Unternehmen mit komplexen Kapitalbeteiligungen.
API-Zugänge als vermeintliche Nebeneinkunft
Parallel dazu gerät die Trump Media & Technology Group (TMTG) durch eine Klage wegen angeblicher Selbstbereicherung unter Druck. Laut Ars Technica soll ein Geschäftsführer API-Zugänge zur Plattform Truth Social für 100.000 Dollar monatlich an externe Parteien veräußert haben – ohne entsprechende Autorisierung durch das Unternehmen. Die Kläger bezeichnen das Vorgehen als “unverfroren” und zielen auf die interne Governance-Struktur des an der Nasdaq notierten Unternehmens ab. (Ars Technica)
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf eine wenig beachtete Schwachstelle digitaler Plattformen: API-Zugänge sind strategische Vermögenswerte, deren kommerzielle Verwertung typischerweise zentral gesteuert werden muss. Wenn Einzelpersonen hierüber eigenmächtig verfügen können, entstehen nicht nur Haftungsrisiken, sondern auch potenzielle Verstöße gegen Börsenaufsichtsrecht – ein Aspekt, der für europäische Investoren in US-Tech-Aktien relevant ist.
Systemische Muster: Governance-Lücken in wachstumsgetriebenen Unternehmen
Beide Fälle teilen eine gemeinsame Struktur: In Unternehmen mit hoher Bewertungsdynamik und prominenten Gründerpersönlichkeiten entwickeln sich Governance-Strukturen häufig langsamer als das Geschäftsmodell. Die Kontrollmechanismen – ob im privaten M&A-Kontext oder im öffentlichen Marktumfeld – greifen erst, wenn Schäden bereits eingetreten sind.
Die Unterschiede liegen in der rechtlichen Verfolgbarkeit: Während der VideoVerse-Fall zivilrechtliche Auseinandersetzungen zwischen Privatparteien nach sich zieht, berührt die Truth-Social-Klage Fragen der Securities Regulation und potenzieller Aufsichtsverfahren durch die SEC. Für deutschsprachige Investoren und strategische Käufer bedeutet dies, dass das Risikoprofil US-amerikanischer Tech-Engagements über die rein operative Due Diligence hinaus um regulatorische und governance-bezogene Dimensionen erweitert werden muss.
Die Fälle dokumentieren zudem eine Verschiebung in der Art der Tech-Deals: Wo früher externe Cyberrisiken oder IP-Streitigkeiten dominierten, rücken nun interne Integritätsverletzungen in den Fokus der Transaction Advisory. Unternehmen, die in diesem Markt agieren, sollten ihre Prüfungsroutinen entsprechend anpassen – etwa durch erweiterte Background-Checks bei Key Personnel und die Implementierung technischer Kontrollen für geschäftskritische Systemzugänge.
