Japanische und europäische Forschungsteams haben die Grenzen der Glasfaserübertragung neu definiert: 402 Terabit pro Sekunde über eine einzige Leitung – und das Beste daran: Die dafür nötige Infrastruktur liegt in vielen Fällen bereits im Boden.
Glasfaser-Rekord: Forscher übertragen Daten mit 402 Terabit pro Sekunde
Japanische und europäische Forschungsteams haben einen neuen Weltrekord bei der Datenübertragung über Glasfaserkabel aufgestellt. Mit einer Geschwindigkeit von 402 Terabit pro Sekunde über eine einzige Glasfaser lassen sich theoretisch 50 Millionen Full-HD-Videostreams gleichzeitig übertragen – über dieselbe physische Leitung, die heute bereits in vielen Netzwerken verbaut ist.
Neue Wellenlängenbereiche als Schlüssel
Der Durchbruch basiert auf der Nutzung bislang ungenutzter Wellenlängenbereiche im Glasfaserkabel. Konventionelle Systeme übertragen Daten primär im sogenannten C-Band, einem definierten Infrarotspektrum. Das neue Verfahren erschließt zusätzlich den S-Band- und L-Band-Bereich und vervielfacht so die nutzbare Bandbreite, ohne dass neue Kabel verlegt werden müssen.
Für die Signalverstärkung über weite Distanzen setzt das Verfahren auf spezielle Verstärker, die diese erweiterten Wellenlängenbereiche unterstützen – eine technische Herausforderung, da herkömmliche Erbium-dotierte Faserverstärker nur im C- und L-Band effizient arbeiten. Durch kombinierte Verstärkertechnologien gelang es den Forschern, das Signal über praxisrelevante Entfernungen stabil zu halten.
Bestehende Infrastruktur bleibt nutzbar
Statt neue Kabel zu verlegen, müssen lediglich Verstärker, Sender und Empfänger aufgerüstet werden – ein wirtschaftlich attraktiver Upgrade-Pfad für Netzwerkbetreiber weltweit.
Besonders relevant für die wirtschaftliche Einordnung: Das neue Verfahren ist prinzipiell mit bereits verlegten Glasfaserkabeln kompatibel. Ein vollständiger Austausch der physischen Infrastruktur wäre demnach nicht erforderlich.
Das verändert die Kostenkalkulation erheblich. Der mit Abstand teuerste Teil beim Glasfaserausbau ist traditionell die Tiefbauarbeit und das Verlegen neuer Kabel. Wenn bestehende Leitungen durch neue Elektronik auf ein Vielfaches ihrer bisherigen Kapazität gebracht werden können, eröffnet das Netzwerkbetreibern einen wirtschaftlich attraktiven Upgrade-Pfad.
Einordnung: Wo steht die Technik?
Der Rekord wurde unter Laborbedingungen erzielt und befindet sich noch in einem frühen Forschungsstadium. Bis zur kommerziellen Verfügbarkeit entsprechender Systeme dürften mehrere Jahre vergehen. Vergleichbare Laborergebnisse aus den vergangenen Jahren haben jedoch gezeigt, dass der Weg von der Forschungsdemonstration zur Marktreife im Glasfaserbereich stetig kürzer wird.
Frühere Rekordwerte im Bereich von 100 Terabit pro Sekunde werden inzwischen von ersten kommerziellen Produkten annähernd erreicht – der Abstand zwischen Labor und Markt schrumpft.
Der aktuelle Rekord übertrifft die bislang bekannten Benchmarks um ein Mehrfaches und setzt damit neue Referenzpunkte für die Entwicklung kommender Netzwerkgenerationen.
Relevanz für deutsche Unternehmen und Netzbetreiber
Für deutsche Netzwerkbetreiber, Rechenzentrumsanbieter und Unternehmen mit hohem Bandbreitenbedarf sind diese Entwicklungen aus mehreren Gründen relevant. Deutschland investiert derzeit erheblich in den flächendeckenden Glasfaserausbau. Technologien, die bestehende Glasfaserstrecken nachträglich auf ein Vielfaches ihrer Kapazität skalierbar machen, könnten die Wirtschaftlichkeit bereits getätigter Infrastrukturinvestitionen deutlich verbessern.
Mittelfristig dürften solche Verfahren vor allem für Backbone-Verbindungen zwischen Rechenzentren sowie für Carrier-Netze von Bedeutung sein. Angesichts des wachsenden Datenvolumens durch KI-Anwendungen, Videokonferenzen und Cloud-Dienste steigt der Kapazitätsdruck auf bestehende Leitungen kontinuierlich. Unternehmen, die langfristige Netzwerkstrategien planen, sollten die Entwicklung entsprechender Verstärker- und Multiplexing-Technologien in ihrer Infrastrukturplanung berücksichtigen.
Quelle: New Scientist Tech
