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Humanoide Roboter sind keine Zukunftsmusik mehr – sie stehen vor dem Sprung in den industriellen Alltag. Was Unternehmen heute über Preise, Anbieter und realistische Einsatzszenarien wissen müssen, bevor sie erste Investitionsentscheidungen treffen.
Humanoide Roboter: Was Unternehmen beim Kauf heute wissen müssen
Der Markt für humanoide Roboter entwickelt sich vom Science-Fiction-Konzept zur konkreten Beschaffungsfrage. Mehrere Hersteller bieten inzwischen Systeme an, die für industrielle oder gewerbliche Anwendungen in Betracht kommen – mit sehr unterschiedlichen Preisen, Fähigkeiten und Reifegraden.
Aktuelle Marktanbieter im Überblick
Das derzeit bekannteste kommerzielle System ist Figure 02 des US-amerikanischen Start-ups Figure AI. Das Unternehmen hat BMW als frühen Industriepartner gewonnen und setzt auf eine KI-gesteuerte Steuerarchitektur, die auf Large Language Models basiert. Ebenfalls weit fortgeschritten ist Apptronik Apollo, der unter anderem mit Mercedes-Benz zusammenarbeitet. Beide Systeme sind primär für strukturierte Produktionsumgebungen konzipiert – nicht für den freien Einsatz.
Aus dem Tesla-Ökosystem stammt Optimus, den Elon Musk für Tesla-interne Fertigungsaufgaben einsetzt. Eine kommerzielle Verfügbarkeit für externe Käufer ist angekündigt, aber noch nicht belegt. Der norwegische Anbieter 1X Technologies positioniert sich mit seinem Modell NEO explizit für den Unternehmenseinsatz und wirbt mit einem vergleichsweise moderaten Preisniveau.
Im Segment der bereits länger etablierten Systeme ist Boston Dynamics zu nennen: Das vierbeinige Modell Spot ist in Industrieumgebungen bereits erprobt, während das humanoide Modell Atlas bislang hauptsächlich in Demonstrationen eingesetzt wird.
Preise und Verfügbarkeit
Die Preisspanne ist erheblich:
- Forschungsnahe Einstiegssysteme (z. B. von Unitree Robotics aus China): ab rund 16.000 US-Dollar
- Industrietaugliche Plattformen (z. B. Figure 02, Apollo): 150.000 bis über 200.000 US-Dollar pro Einheit – noch ohne Wartungsverträge, Integration und Schulungsaufwand
Viele Anbieter betreiben aktuell kein offenes Bestellverfahren. Der Zugang läuft häufig über direkte Partnerschaften oder Pilotprogramme, die Unternehmen mit entsprechendem Volumen und klaren Use Cases bevorzugen.
Einsatzbereiche und Einschränkungen
Die meisten aktuell verfügbaren humanoiden Roboter eignen sich für repetitive, klar definierte Aufgaben in strukturierten Umgebungen:
- Teilehandling und Montage
- Lagertransport
- Qualitätskontrolle in geregelten Abläufen
Aufgaben, die Fingerspitzengefühl, spontane Entscheidungen in unstrukturierten Umgebungen oder komplexe Interaktion mit Menschen erfordern, übersteigen den zuverlässigen Betriebsrahmen heutiger Systeme noch deutlich.
Regulatorische Rahmenbedingungen
In Europa gelten für den Einsatz autonomer Systeme in Arbeitsumgebungen strenge Anforderungen:
- Maschinenrichtlinie (aktuell in Überarbeitung zur Maschinenverordnung)
- EU AI Act – relevant, sobald KI-Komponenten sicherheitsrelevante Funktionen übernehmen
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Mittelständler und Konzerne ist humanoide Robotik derzeit eher ein strategisches Beobachtungsfeld als eine unmittelbare Investitionsentscheidung. Sinnvolle erste Schritte sind:
- Teilnahme an Pilotprogrammen der Hersteller
- Frühzeitige Prüfung interner Prozesse auf Roboter-Eignung
- Aufbau interner Kompetenz – idealerweise auf Basis bestehender Cobot-Erfahrung
Unternehmen, die bereits mit kollaborativen Robotern (Cobots) arbeiten, bringen die beste Ausgangslage mit. Der Reifegrad der Technologie dürfte bis 2027 deutlich steigen – wer jetzt das Thema intern aufbaut, verschafft sich einen Vorsprung bei der Evaluierung.
Quelle: New Scientist Tech – „A very serious guide to buying your own humanoid robot butler”
