Ein versuchter Schutz von eigenem Quellcode wurde für Anthropic zum PR-Desaster: Bei der Bekämpfung eines Code-Leaks löschte das KI-Unternehmen versehentlich tausende GitHub-Repositories völlig unbeteiligter Entwicklerinnen und Entwickler – und zeigt damit, wie gefährlich fehlerhafte DMCA-Prozesse für die gesamte Open-Source-Infrastruktur sein können.
Anthropic löscht tausende fremde GitHub-Repositories nach Quellcode-Leak
Quellcode gelangte unkontrolliert ins Netz
Ausgangspunkt des Vorfalls war ein Leak von Anthropic-Quellcode auf GitHub. Um die weitere Verbreitung zu unterbinden, stellte das Unternehmen offenbar DMCA-Takedown-Anfragen – ein gängiges Verfahren, mit dem Rechteinhaber Plattformen wie GitHub zur Entfernung urheberrechtlich geschützter Inhalte auffordern können. Das Vorgehen ist im Grundsatz legitim und wird von Technologieunternehmen regelmäßig genutzt, wenn proprietärer Code unerlaubt veröffentlicht wird.
Fehler im Takedown-Prozess trifft unbeteiligte Nutzer
Im vorliegenden Fall griff der Prozess jedoch erheblich zu weit:
Statt ausschließlich Repositories zu erfassen, die tatsächlich den geleakten Anthropic-Code enthielten, wurden tausende Repositories gelöscht, die keinerlei Bezug zum ursprünglichen Leak hatten.
Betroffen waren demnach Projekte unbeteiligter Entwicklerinnen und Entwickler. Anthropic räumte ein, dass es sich dabei um einen Fehler handelte, und erklärte, an der Wiederherstellung der betroffenen Repositories zu arbeiten.
Kollateralschäden durch automatisierte Takedown-Verfahren
Der Vorfall verdeutlicht ein strukturelles Problem automatisierter oder halbautomatisierter DMCA-Prozesse: Wenn Takedown-Anfragen nicht präzise genug formuliert oder technisch fehlerhaft umgesetzt werden, können sie weit über das eigentliche Ziel hinausschießen.
GitHub und andere Plattformen sind gesetzlich verpflichtet, solche Anfragen zügig zu bearbeiten, haben dabei aber begrenzte Möglichkeiten zur inhaltlichen Prüfung jedes Einzelfalls. Das Ergebnis sind Kollateralschäden, die in diesem Fall tausende Projekte betrafen.
Was Unternehmen und Entwickler jetzt tun sollten
Für alle, die auf öffentliche GitHub-Repositories angewiesen sind, zeigt der Fall, wie fragil diese Infrastruktur im Ernstfall sein kann. Zwei konkrete Maßnahmen empfehlen sich:
- Regelmäßige lokale Backups sämtlicher kritischer Repositories als fester Bestandteil der IT-Strategie
- Technische Prüfung eigener DMCA-Prozesse, bevor großflächige Takedown-Aktionen ausgelöst werden – der Reputationsschaden durch versehentlich gelöschte Drittinhalte kann erheblich sein
Der Reputationsschaden für Anthropic dürfte in diesem Fall den ursprünglichen Schaden durch den Quellcode-Leak deutlich überwiegen.
Quelle: TechCrunch AI
