Forscher haben die Grenzen der Glasfaserübertragung neu definiert: Mit 402 Terabit pro Sekunde über eine einzige Faser demonstriert ein internationales Team, wie bestehende Netzinfrastruktur durch clevere Spektrumsnutzung zur Datenautobahn der Zukunft werden könnte – ohne eine einzige neue Leitung zu verlegen.
Glasfaser-Weltrekord: Neue Übertragungsrate entspricht 50 Millionen gleichzeitigen Streams
Der Rekord im Überblick
Forscher haben einen neuen Weltrekord bei der Datenübertragung über Glasfaserkabel aufgestellt. Die erreichte Kapazität reicht theoretisch aus, um 50 Millionen Filme gleichzeitig zu streamen – ein Wert, der bisherige Benchmarks deutlich übertrifft. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Nature Photonics veröffentlicht.
402 Terabit pro Sekunde über eine einzelne Glasfaser – das entspricht in etwa dem gesamten transatlantischen Internetverkehr.
Technischer Hintergrund: Mehr Licht ins Dunkel
Das Forschungsteam nutzte eine Technik, die das verfügbare Lichtspektrum einer einzelnen Glasfaser deutlich effizienter ausschöpft als bislang übliche Verfahren. Konventionelle Glasfasernetze übertragen Daten über einen vergleichsweise schmalen Wellenlängenbereich. Die neue Methode weitet diesen nutzbaren Bereich erheblich aus, indem zusätzliche Frequenzbänder aktiviert werden:
- S-Band (Short-wavelength band)
- E-Band (Extended band)
- O-Band (Original band)
Diese Bänder wurden in der kommerziellen Datenübertragung bisher kaum eingesetzt – ihr Potenzial lag jahrelang ungenutzt in bereits verlegten Kabeln.
Bestehende Infrastruktur als Ausgangspunkt
Ein wesentlicher Aspekt der Forschung ist der Ansatz, bestehende Glasfaserkabel zu nutzen, anstatt kostspielige neue Leitungen zu verlegen. Viele der weltweit installierten Glasfasern sind physisch in der Lage, breitere Wellenlängenbereiche zu transportieren.
Die Studie zeigt: Ein Upgrade der Endgeräte – also Verstärker und Transceiver – könnte ausreichen, um die Kapazität erheblich zu steigern, ohne die teure Neuverlegung von Kabeln.
Das macht den Ansatz wirtschaftlich besonders attraktiv: Die eigentliche „Hardware” der Infrastruktur wäre bereits vorhanden.
Abstand zwischen Labor und Praxis
Zwischen einem wissenschaftlichen Rekordversuch und der kommerziellen Serienreife liegt erfahrungsgemäß ein erheblicher Entwicklungsweg. Aktuelle Herausforderungen sind:
- Die im Experiment eingesetzten Komponenten für weniger genutzte Frequenzbänder sind derzeit noch teuer und nicht in großem Maßstab verfügbar
- Tests fanden unter kontrollierten Laborbedingungen statt – reale Netzwerkumgebungen mit Signalverstärkung über lange Distanzen stellen andere Anforderungen
- Die Skalierung auf kommerzielle Netzwerke erfordert weitere Standardisierungsarbeit
Gleichwohl gelten solche Grundlagendemonstrationen als wichtige Wegmarken für die Entwicklung künftiger Netzwerkstandards.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für Unternehmen und Netzbetreiber in Deutschland ist der Befund mittelfristig relevant, auch wenn eine unmittelbare Marktreife noch aussteht. Der Glasfaserausbau schreitet hierzulande weiterhin schrittweise voran – die Frage, wie verlegte Infrastruktur langfristig skaliert werden kann, ist dabei zentral.
Sollte sich die Methode zur Nutzung erweiterter Frequenzbänder industriell etablieren, würden vor allem diese Branchen profitieren:
- Cloud-Anbieter mit wachsendem Datendurchsatz
- Streaming-Plattformen mit steigenden Qualitätsanforderungen
- Industrieunternehmen mit hohen Anforderungen an Echtzeitkommunikation
Für all diese Akteure würde eine deutlich leistungsfähigere Glasfaserinfrastruktur die Grundlage für neue Dienste schaffen – ohne auf einen vollständigen Infrastrukturneubau angewiesen zu sein.
Quelle: New Scientist Tech
