Fast die Hälfte aller umlaufenden Bitcoin notiert unter dem Einstandspreis der jeweiligen Halter. Diese Marktstruktur sendet ein zwiespältiges Signal: mögliche Bodenbildung auf der einen, erhöhter Liquidationsdruck auf der anderen Seite. Was das für Unternehmens-Treasuries bedeutet – eine nüchterne Einordnung.
Bitcoin: Fast die Hälfte des Angebots im Verlust – ein Signal für Treasury-Entscheider
Fast 50 Prozent aller im Umlauf befindlichen Bitcoin befinden sich derzeit unter dem jeweiligen Einstandspreis ihrer Halter. Der Kurs notiert rund 47 Prozent unter dem bisherigen Allzeithoch – eine Konstellation, die Marktanalysten als deutliches Warnsignal werten.
Aktuelle Marktlage
Laut einem aktuellen Bericht der Krypto-Analyseplattform CEX.IO liegt der Anteil der Bitcoin-Einheiten, die sich rechnerisch im Verlust befinden, auf einem historisch erhöhten Niveau. Der sogenannte „Bitcoin Impact Index” – eine Kennzahl, die den Anteil des im Verlust gehaltenen Angebots mit dem Ausmaß dieser Verluste gewichtet – zeigt eine deutliche Verschlechterung der Marktstruktur gegenüber dem Jahresbeginn 2025.
Besonders auffällig ist das Verhalten der sogenannten Long-Term Holder – also Adressen, die Bitcoin seit mindestens 155 Tagen halten. Auch in dieser Gruppe, die traditionell als stabilisierendes Element des Bitcoin-Marktes gilt, wächst der Anteil derjenigen, die zu höheren Kursen akkumuliert haben und nun unrealisierte Verluste tragen.
Was die Kennzahlen aussagen
Ein hoher Anteil des Angebots im Verlust ist per se kein Ausschlusskriterium für eine Kurserholung – historisch markierten ähnliche Konstellationen in früheren Marktzyklen oft den Bereich zwischen fortgeschrittener Konsolidierung und möglicher Bodenbildung.
Das Signal ist zweischneidig: Es zeigt, dass ein erheblicher Teil des Marktes unter Druck steht – deutet aber auch darauf hin, dass schwächere Marktteilnehmer bereits kapituliert haben könnten.
Gleichzeitig erhöht sich in solchen Phasen der Verkaufsdruck: Halter, die kurzfristig finanzielle Mittel benötigen oder ihre Verluste begrenzen wollen, tendieren dazu, Positionen zu liquidieren. Eine notwendige, wenn auch schmerzhafte Marktbereinigung.
Implikationen für Unternehmens-Treasury
Für Unternehmen, die Bitcoin als Teil ihrer Treasury-Strategie halten oder eine entsprechende Allokation erwägen, liefert die aktuelle Datenlage mehrere Anhaltspunkte:
1. Volatilitäts- und Bewertungsrisiken
Wer zu Kursen nahe dem Allzeithoch eingekauft hat, sieht sich mit substanziellen unrealisierten Verlusten konfrontiert – mit direkten Auswirkungen auf die Bilanz und gegebenenfalls auf regulatorische Anforderungen nach IFRS oder HGB.
2. Grenzen der Buy-and-Hold-These
Die Marktphase zeigt, dass die These vom Bitcoin als „digitalem Wertaufbewahrungsmittel” kurzfristig erheblich unter Druck geraten kann. Strategien auf Basis einer Buy-and-Hold-Logik erfordern entsprechend lange Zeithorizonte und eine hinreichende Liquiditätsbasis, um Kursrückgänge dieser Größenordnung auszusitzen.
3. On-Chain-Metriken als Due-Diligence-Instrument
Unternehmen, die Bitcoin-Allokationen aktiv prüfen, sollten On-Chain-Kennzahlen – darunter den Anteil des im Verlust befindlichen Angebots, die Holder-Struktur und den Impact Index – als ergänzende Informationsquellen in ihre Prüfprozesse einbeziehen.
Einordnung
Für deutsche Unternehmen verdeutlicht die aktuelle Marktphase den Unterschied zwischen strategischer Allokation und opportunistischem Einstieg.
Institutionelle Ansätze erfordern klare Risikorahmen, definierte Einstiegskorridore und eine belastbare buchhalterische Behandlung. Solange rund die Hälfte des gesamten Bitcoin-Angebots im Minus notiert, bleibt das Umfeld für neue Positionen anspruchsvoll – und die Prüfung eines Engagements sollte entsprechend konservativ ausfallen.
Quelle: Decrypt AI
