Der Markt für humanoide Roboter ist kein Science-Fiction-Szenario mehr: Mehrere Hersteller verkaufen ihre Systeme bereits kommerziell – doch was Unternehmen tatsächlich erhalten, unterscheidet sich erheblich von den Versprechen der Hochglanzpräsentationen.
Humanoide Roboter: Was Unternehmen heute schon kaufen können
Der Markt für humanoide Roboter hat eine neue Phase erreicht: Mehrere Hersteller bieten ihre Systeme inzwischen kommerziell an oder nehmen konkrete Vorbestellungen entgegen. Für Unternehmen, die früh auf diese Technologie setzen wollen, stellt sich damit die praktische Frage, welche Optionen tatsächlich verfügbar sind – und was sie kosten.
Das aktuelle Angebot im Überblick
Unitree Robotics aus China gehört derzeit zu den wenigen Anbietern, die einen humanoiden Roboter tatsächlich direkt verkaufen. Das Modell G1 ist ab etwa 16.000 US-Dollar erhältlich – ein Preis, der im Vergleich zu früheren Industrierobotern niedrig erscheint, aber für den Einsatz in der Praxis noch erhebliche Zusatzkosten für Integration und Programmierung nach sich zieht. Der G1 richtet sich primär an Forschungseinrichtungen und Entwickler.
Am oberen Ende des Spektrums positioniert sich Figure AI mit dem Modell Figure 02. Das Unternehmen hat Partnerschaften mit BMW und anderen Automobilherstellern geschlossen und liefert seine Systeme bislang selektiv an Industriekunden.
Keine öffentlichen Preisangaben – ein deutliches Signal, dass Verhandlungen individuell geführt werden und diese Systeme noch nicht für den Massenmarkt ausgelegt sind.
Agility Robotics und der Logistiksektor
Agility Robotics, eine Tochtergesellschaft von Amazon-Investor Playground Global, hat mit dem Digit einen Roboter entwickelt, der speziell für Lager- und Logistikumgebungen konzipiert ist. Amazon testet Digit bereits in eigenen Fulfillment-Centern.
Auch hier sind keine öffentlichen Listenpreise verfügbar; das Unternehmen setzt stattdessen auf Leasingmodelle, die es Unternehmen erleichtern sollen, ohne hohe Anfangsinvestitionen einzusteigen.
Boston Dynamics bietet mit Atlas weiterhin ein Forschungssystem an, während der kleinere Spot-Roboter – kein Humanoid im klassischen Sinne – bereits in der Industrie im Einsatz ist. Der Übergang zu kommerziell einsetzbaren humanoiden Systemen bleibt für das Unternehmen ein laufender Prozess.
Was Käufer derzeit tatsächlich erhalten
„Kaufen” ist im aktuellen Marktumfeld mit Einschränkungen zu verstehen.
Die meisten Anbieter liefern ihre Systeme mit erheblichem Support-Aufwand, proprietärer Software und in vielen Fällen nur an ausgewählte Unternehmenspartner. Vollautonome Einsatzszenarien, in denen ein humanoider Roboter eigenständig komplexe Aufgaben übernimmt, sind in produktiven Umgebungen noch die Ausnahme – die Systeme operieren häufig in eng definierten Aufgabenbereichen und benötigen menschliche Überwachung.
Hinzu kommen regulatorische Fragen: Für den Einsatz in europäischen Fertigungs- oder Logistikumgebungen sind CE-Zertifizierungen, Arbeitssicherheitsnachweise und Haftungsfragen zu klären – ein Aufwand, den viele Anbieter bislang primär für den nordamerikanischen und asiatischen Markt kalkulieren.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Unternehmen ist der Zeitpunkt strategisch relevant: Wer heute in Pilotprojekte investiert, sammelt Erfahrungen, bevor humanoide Roboter in einigen Jahren möglicherweise deutlich breiteren Einsatz finden. Industrieverbände wie der VDMA beobachten den Markt aktiv, und erste deutsche Fertigungsunternehmen prüfen Kooperationen mit internationalen Anbietern.
Sinnvoll ist derzeit vor allem ein selektiver Ansatz:
– Einsatz in klar definierten, repetitiven Logistikaufgaben
– Realistischer Blick auf Integrations- und Betriebskosten
– Berücksichtigung europäischer Zertifizierungsanforderungen
Die Integrations- und Betriebskosten übersteigen den Anschaffungspreis in der Regel deutlich – das sollte in jede Kalkulation einfließen.
Quelle: New Scientist Tech – A very serious guide to buying your own humanoid robot butler
