Apple plant mit iOS 27 eine fundamentale Neuausrichtung von Siri: Drittanbieter-KI-Modelle wie Google Gemini und Anthropic Claude sollen sich künftig direkt als Erweiterungen in den Sprachassistenten einbinden lassen – ein stiller Strategieschwenk, der das iPhone-Ökosystem nachhaltig verändern könnte.
Apple öffnet Siri für Drittanbieter-KI: Gemini und Claude sollen als Erweiterungen verfügbar werden
Laut einem Bericht von Bloomberg-Journalist Mark Gurman ermöglicht ein neues System namens „Extensions” die Anbindung von Drittanbieter-Modellen wie Google Gemini oder Anthropic Claude direkt in Siri. Nutzerinnen und Nutzer sollen selbst steuern können, welche KI-Dienste aktiviert werden – auf iPhone, iPad und Mac gleichermaßen.
Offenes Erweiterungssystem statt proprietärer Lösung
Über die Geräteeinstellungen lassen sich die gewünschten KI-Dienste mit Siri verknüpfen. Die eingebundenen Chatbots können dann Anfragen beantworten, die Siri eigenständig nicht bearbeiten kann – oder für die der Nutzer einen bestimmten Dienst bevorzugt. Das Prinzip entspricht dem bereits bestehenden Modell mit OpenAI ChatGPT, das Apple im vergangenen Jahr als erste externe KI-Integration eingeführt hatte.
Die neuen Extensions sollen dabei nicht auf klassische Sprachassistenz beschränkt bleiben – sie werden auch mit einer eigenständigen Siri-App kompatibel sein, die eigenständig Aktionen über verschiedene Anwendungen hinweg ausführen kann.
Bloomberg zufolge arbeitet Apple nach mehreren Verzögerungen weiterhin an dieser Siri-App. Ein Anspruch, der bislang nur ansatzweise eingelöst wurde.
Strategischer Kurswechsel nach internen Rückschlägen
Die Öffnung für externe Anbieter kommt nicht ohne Vorgeschichte: Apple hatte ursprünglich eine eigene KI-Infrastruktur unter dem Namen Apple Intelligence aufgebaut. Mehrere angekündigte Funktionen wurden jedoch verschoben oder abgespeckt. Im Januar bestätigte Apple eine Zusammenarbeit mit Google, um den überarbeiteten Sprachassistenten mit Gemini zu stärken.
Laut The Information soll der Deal Apple darüber hinaus ermöglichen, Gemini-Daten für das Training kleinerer eigener Modelle zu nutzen.
Die Strategie, proprietäre Schwächen durch Partnerschaften aufzufangen, ist aus der Softwareindustrie bekannt. Im KI-Kontext markiert sie jedoch einen bedeutsamen Richtungswechsel für ein Unternehmen, das Hardware- und Software-Integration traditionell als sein zentrales Alleinstellungsmerkmal positioniert hat.
Wettbewerb um die KI-Schnittstelle zum Nutzer
Für Anbieter wie Anthropic und Google eröffnet die Siri-Integration einen direkten Zugang zur aktiven Apple-Nutzerbasis – ohne dass separate App-Downloads zwingend erforderlich wären. Für Apple wiederum bedeutet das Modell, die eigene Plattform als Verteilungsschicht zu etablieren, unabhängig davon, welches Modell im Hintergrund die beste Leistung bringt.
Ob Apple dabei auch europäische Anforderungen aus dem Digital Markets Act berücksichtigen muss, bleibt offen. Ein freiwillig offeneres KI-Ökosystem könnte regulatorischen Druck aus Brüssel jedoch teilweise vorwegnehmen.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für Unternehmen, die Apple-Geräte in ihrer Arbeitsumgebung einsetzen, wird die Wahl des bevorzugten KI-Dienstes künftig unmittelbar in den Workflow integrierbar sein – ohne Kontextwechsel zwischen verschiedenen Apps.
IT-Verantwortliche sollten die Extensions-Architektur im Blick behalten, sobald Apple weitere Details zu Datenschutz und Unternehmenssteuerung veröffentlicht. Gerade in regulierten Branchen wird entscheidend sein, welche Kontroll- und Einschränkungsmöglichkeiten für den Einsatz bestimmter Modelle auf Unternehmensebene bestehen.
Quelle: The Verge AI
