Fünf Jahre nach dem Marktstart des Apple AirTag hat das Technologiemagazin ZDNet einen umfassenden Praxistest durchgeführt – mit konkreten Erkenntnissen für Unternehmen, die günstige Tracking-Lösungen für Betriebsmittel, Fahrzeuge oder Equipment suchen.
AirTag und Android-Tracker im Vergleich: Was taugen Bluetooth-Tracker für professionelles Asset-Tracking?
Bluetooth-Tracker haben sich in den vergangenen Jahren vom Consumer-Gadget zum ernstzunehmenden Werkzeug für kleinere Asset-Tracking-Szenarien entwickelt. Doch wo liegen die realen Grenzen – und welches System passt zu welcher IT-Infrastruktur?
Methodik und getestete Geräte
Im Rahmen des Tests wurden vier verschiedene Bluetooth-Tracker an versteckten Positionen platziert und über einen längeren Zeitraum auf Zuverlässigkeit, Ortungsgenauigkeit und Praxistauglichkeit geprüft. Neben dem Apple AirTag kamen Android-kompatible Tracker verschiedener Hersteller zum Einsatz. Bewertet wurden:
- Akkulebensdauer
- Präzision der Standortbestimmung
- Anbindung an die jeweiligen Ökosysteme
Stärken und Schwächen des AirTag
Der AirTag profitiert weiterhin deutlich vom dichten Apple-Netzwerk: Hunderte Millionen iPhone-Geräte fungieren als passive Relaisstationen im „Find My”-Netzwerk – was die Ortungsgenauigkeit in urbanen Umgebungen erheblich verbessert.
In dicht besiedelten Gebieten werden verlorene Objekte teils auf wenige Meter genau lokalisiert.
Die Ultrawideband-Technologie (UWB) ermöglicht zusätzlich eine präzise Nahbereichsortung, sofern ein neueres iPhone-Modell verfügbar ist.
Als zentraler Nachteil bleibt die strikte Bindung an das Apple-Ökosystem: Ohne iPhone ist der Funktionsumfang stark eingeschränkt. Für Unternehmen mit gemischten Geräteflotten – also parallel genutzten iOS- und Android-Geräten – ist das ein relevanter Einschränkungsfaktor.
Android-Tracker: Das Google-Netzwerk holt auf
Android-kompatible Tracker, die auf Googles „Find My Device”-Netzwerk setzen, haben in den vergangenen Jahren spürbar an Boden gewonnen. Seit der Erweiterung des Netzwerks auf nahezu alle Android-Geräte ab Version 6.0 ist die Abdeckung in Europa merklich gestiegen.
Hersteller wie Tile oder Samsung mit seinen SmartTag-Produkten bieten plattformübergreifendere Lösungen, die sich auch in Android-zentrischen IT-Umgebungen sinnvoll einsetzen lassen.
Sowohl Apple- als auch Android-Tracker zeigen in ländlichen oder dünn besiedelten Regionen klare Schwächen: Geringe Gerätedichte reduziert die Updatefrequenz der Standortdaten erheblich.
Für zeitkritisches Tracking in der Fläche bleibt das ein strukturelles Problem beider Systeme.
Datenschutz und Anti-Stalking-Maßnahmen
Ein praktisch relevantes Thema für den Unternehmenseinsatz sind die integrierten Anti-Stalking-Funktionen. Apple und Google haben ihre Systeme so konfiguriert, dass unbekannte Tracker, die längere Zeit mit einer Person mitgeführt werden, eine Warnung auf dem Smartphone des Betroffenen auslösen.
Das schützt vor Missbrauch, kann im Betriebsalltag jedoch zu Fehlalarmen führen – etwa wenn ein Tracker an einem Firmenfahrzeug den mitfahrenden Mitarbeitenden wiederholt als „fremder Tracker” gemeldet wird.
Unternehmen sollten entsprechende interne Richtlinien und Kommunikationsmaßnahmen vorbereiten, bevor sie Bluetooth-Tracker im Betrieb einsetzen.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für den Einsatz in Deutschland sind Bluetooth-Tracker als kostengünstige Ergänzung zu professionellen GPS-Lösungen durchaus praxistauglich – jedoch mit klaren Grenzen:
| Szenario | Empfehlung |
|---|---|
| Apple-homogene Umgebung, urbaner Raum | Apple AirTag |
| Gemischte iOS-/Android-Flotte | Android-Tracker (Samsung, Tile) |
| Kritische Assets, große Flächen, ländlicher Raum | GPS-Tracker mit Mobilfunkmodul |
Zusätzlich sollten Betriebe die DSGVO-Anforderungen im Blick behalten – insbesondere wenn Tracker in Fahrzeugen eingesetzt werden, die auch privat genutzt werden können.