Amazon könnte mit der Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar den entscheidenden Schritt wagen, um das eigene Satelliten-Projekt Kuiper auf Augenhöhe mit SpaceX-Starlink zu bringen – und damit einen der härtesten Technologie-Wettkämpfe im Orbit einzuleiten.
Amazon verhandelt über Globalstar-Übernahme – Konfrontation mit SpaceX im Satelliten-Internet-Markt
Amazon führt Gespräche über den Kauf des Satellitenbetreibers Globalstar, um im wachsenden Markt für Satelliten-Internet direkt gegen SpaceX und dessen Starlink-Dienst anzutreten. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ein Abschluss der Transaktion würde Amazons eigenes Satellitenprojekt Kuiper erheblich stärken.
Amazons Aufholjagd im Orbit
Amazon verfolgt mit dem Projekt Kuiper seit Jahren das Ziel, ein eigenes Low-Earth-Orbit-Netzwerk (LEO) aufzubauen – ein direktes Gegenstück zu SpaceX Starlink, das inzwischen mehrere tausend Satelliten im Betrieb hat und kommerziell wie militärisch stark nachgefragt wird. Während SpaceX in diesem Segment bereits erhebliche Marktanteile aufgebaut hat, befindet sich Kuiper noch in einer frühen Aufbauphase.
Eine Übernahme von Globalstar würde Amazon Zugang zu bestehender Satelliten-Infrastruktur, Frequenzlizenzen und einem etablierten Kundenstamm verschaffen.
Was Globalstar einbringt
Globalstar betreibt ein eigenes LEO-Satellitennetzwerk und ist vor allem durch die Partnerschaft mit Apple bekannt geworden – das Unternehmen stellt die Infrastruktur für die Notfall-SOS-Funktion via Satellit bereit, die Apple seit dem iPhone 14 anbietet. Diese Zusammenarbeit hat Globalstar zuletzt finanziell stabilisiert, nachdem das Unternehmen jahrelang unter erheblichem Schuldendruck stand.
Für Amazon wäre der Zugriff auf vorhandene Frequenzzuteilungen – ein regulatorisch aufwendiges und knappes Gut – möglicherweise ebenso wertvoll wie die physische Infrastruktur selbst.
Strategischer Druck durch SpaceX
Der Hintergrund der möglichen Transaktion ist der zunehmende Wettbewerb im Satelliten-Konnektivitätsmarkt. Starlink versorgt inzwischen Millionen von Nutzern weltweit mit Breitband-Internet, darunter Privatkunden in abgelegenen Regionen, Unternehmen und staatliche Abnehmer.
Auch die Nachfrage aus dem Verteidigungsbereich – insbesondere nach dem Einsatz in der Ukraine – hat Starlinks strategische Bedeutung nachhaltig unterstrichen.
Amazon steht unter Druck, Kuiper schnell auf eine wettbewerbsfähige Größe zu bringen, bevor Starlink seine Marktstellung weiter zementiert.
Regulatorische und finanzielle Hürden
Eine Übernahme von Globalstar wäre kein unkomplizierter Schritt. Neben kartellrechtlichen Prüfungen – insbesondere in den USA, aber auch in anderen Jurisdiktionen – müssten Frequenzlizenzen neu zugewiesen oder übertragen werden, was die Aufsichtsbehörde FCC einschließt. Zudem ist Apples bestehende Vereinbarung mit Globalstar ein Faktor, dessen vertragliche Ausgestaltung die Übernahmestruktur beeinflussen dürfte. Über konkrete Kaufpreise oder den Stand der Verhandlungen ist bislang nichts bekannt.
Relevanz für den deutschen Markt
Für deutsche Unternehmen, die auf zuverlässige Konnektivität in schlecht versorgten Regionen angewiesen sind – etwa in der Logistik, Landwirtschaft oder Energieversorgung – könnte eine erfolgreich aufgestellte Kuiper-Plattform mittelfristig eine relevante Alternative zu Starlink darstellen.
Mehr Wettbewerb im LEO-Segment dürfte langfristig zu differenzierteren Angeboten und stabileren Preisen führen.
Bis dahin bleibt Starlink der etablierte Marktstandard – und Amazon hat noch erhebliche Aufbauarbeit vor sich.
Quelle: Financial Times / Ars Technica
