Der Sekundärmarkt für private Tech-Anteile erlebt einen historischen Aktivitätshöchststand – und mittendrin ein Machtwechsel: Anthropic hat OpenAI als begehrtestes Investment abgelöst. Doch ein möglicher SpaceX-Börsengang könnte die Kapitalströme empfindlich stören.
Anthropic verdrängt OpenAI im Sekundärmarkt – SpaceX-Börsengang könnte Kapital umlenken
Anthropic übernimmt die Poleposition
Im Sekundärmarkt für private Tech-Anteile hat Anthropic OpenAI als meistgefragtes Investment abgelöst. Händler und institutionelle Investoren greifen verstärkt zu Anteilen des Claude-Entwicklers, der zuletzt mit einer Bewertung von rund 61 Milliarden US-Dollar gehandelt wurde. Glen Anderson, Präsident von Rainmaker Securities, beschreibt die Nachfrage als außergewöhnlich hoch – ein Niveau, das selbst erfahrene Marktbeobachter überrascht.
„Der Sekundärmarkt für nicht börsennotierte Aktien war noch nie so aktiv wie derzeit – und Anthropic steht dabei ganz oben auf der Wunschliste der Investoren.”
— Glen Anderson, Präsident von Rainmaker Securities
Hintergrund ist ein zunehmend differenziertes Bild im KI-Markt: Während OpenAI weiterhin von seiner Bekanntheit profitiert, zweifeln einige Investoren an der langfristigen Positionierung des Unternehmens. Diskussionen um die Umstrukturierung von einer Non-Profit- zu einer For-Profit-Struktur sowie Berichte über interne Spannungen trüben das Bild. Anthropic hingegen hat sich als technisch seriöse Alternative positioniert – mit besonderem Fokus auf AI Safety und einem klaren Enterprise-Angebot.
Sekundärmarkt erreicht neue Aktivitätsniveaus
Der Markt für private Anteile – sogenannte Secondary Shares – hat sich in den vergangenen Monaten spürbar beschleunigt. Mitarbeiter früher KI-Unternehmen, die ihre Anteile liquidieren wollen, treffen auf eine wachsende Gruppe von Käufern:
- Family Offices auf der Suche nach renditestarken Alternativen
- Venture-Capital-Fonds, die ihre KI-Exposition ausbauen
- Institutionelle Investoren, die keinen direkten Zugang zu Primärrunden haben
Plattformen wie Rainmaker Securities fungieren dabei als Intermediäre, die Angebot und Nachfrage zusammenbringen. Die gestiegene Aktivität spiegelt das breite Interesse am KI-Sektor wider – aber auch eine strukturelle Realität: Solange OpenAI, Anthropic und andere privat bleiben, ist der Sekundärmarkt für viele Investoren der einzige Zugang.
SpaceX-Börsengang als möglicher Kapitalabzug
Den größten Unsicherheitsfaktor sieht Anderson in einem möglichen Börsengang von SpaceX. Elon Musks Raumfahrtunternehmen gilt seit Jahren als eines der wertvollsten privaten Unternehmen der Welt und ist selbst ein bevorzugtes Handelsobjekt im Sekundärmarkt.
Ein SpaceX-IPO hätte das Potenzial, den Liquiditätsdruck im gesamten Sekundärmarkt zu verändern – und Anthropics aktuellen Höhenflug zumindest temporär zu bremsen.
Sollte SpaceX an die Börse gehen, dürfte das erhebliche Mengen an Kapital binden – Kapital, das derzeit in KI-Werte fließt. Ein konkretes Datum ist nicht bekannt, doch entsprechende Berichte tauchen regelmäßig auf und halten die Unsicherheit im Markt aufrecht.
OpenAI unter Druck
Die schwächere Nachfrage nach OpenAI-Anteilen ist bemerkenswert – gemessen an der noch vor wenigen Monaten fast euphorischen Stimmung. Das Unternehmen hat zwar zuletzt eine Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 157 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, doch im Sekundärmarkt werden Investoren selektiver.
Die verschärfte Konkurrenz durch Modelle wie Googles Gemini-Familie, Metas Llama-Reihe und Anthropics Claude hat den Eindruck eines Alleinstellungsmerkmals geschwächt. Was einst als konkurrenzlose Plattform galt, ist heute eines unter mehreren ernstzunehmenden Angeboten.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Tech-Entscheider und Investoren ist die Entwicklung im US-amerikanischen Sekundärmarkt ein aufschlussreicher Indikator: Welche KI-Anbieter gelten mittelfristig als strategisch stabil?
Die wachsende Investorenpräferenz für Anthropic spiegelt sich bereits in Enterprise-Partnerschaften und AWS-Integrationen wider – Faktoren, die auch für die Anbieterwahl hierzulande relevant sind. Unternehmen, die KI-Lösungen evaluieren oder Plattformentscheidungen treffen, sollten die Verschiebungen in der Investorengunst als ergänzendes Signal für die Marktreife einzelner Anbieter berücksichtigen.
Quelle: TechCrunch AI – Anthropic is having a moment in the private markets
