Mike Krieger, Mitgründer von Instagram und Chief Product Officer bei Anthropic, hat seinen Beiratssitz bei Figma niedergelegt – ausgelöst durch Berichte über ein mögliches KI-Design-Tool aus dem Hause Anthropic. Der Vorfall steht exemplarisch für einen tiefgreifenden Strukturwandel im Softwaremarkt.
Anthropics Chief Product Officer verlässt Figmas Beirat – Konflikt durch mögliches Konkurrenzprodukt
Interessenkonflikt zwingt zum Rückzug
Mike Krieger, Chief Product Officer bei Anthropic und Mitgründer von Instagram, hat seinen Sitz im Beirat des Design-Software-Unternehmens Figma niedergelegt. Hintergrund sind Berichte, wonach Anthropic ein eigenes Design-Tool entwickeln könnte, das in direktem Wettbewerb zu Figma stehen würde.
Krieger war seit geraumer Zeit als Beiratsmitglied bei Figma tätig – einer Rolle, die ihm Einblick in strategische Unternehmensentscheidungen gewährt haben dürfte. Nachdem Berichte kursierten, dass Anthropic unter seiner Verantwortung als CPO ein Design-Tool aufbauen könnte, war sein weiteres Engagement in dieser Position nicht mehr haltbar. Figma bestätigte den Abgang gegenüber TechCrunch, ohne weitere Details zu den geplanten Produkten zu nennen.
Ein Führungsmitglied eines KI-Unternehmens, das gleichzeitig im Beirat eines potenziellen Wettbewerbers sitzt, stellt ein klassisches Interessenkonflikt-Szenario dar.
Anthropic hat sich bislang nicht öffentlich zu konkreten Plänen für ein Design-Tool geäußert. Dennoch reicht die bloße Möglichkeit eines solchen Schritts aus, um Corporate-Governance-Fragen aufzuwerfen.
SaaS-Unternehmen unter Druck
Der Vorfall illustriert eine breitere Entwicklung, die Investoren und Marktbeobachter unter dem Begriff „SaaSpocalypse” diskutieren: die Befürchtung, dass große KI-Labore wie Anthropic, OpenAI oder Google zunehmend in Bereiche vordringen, die traditionell von spezialisierten Software-as-a-Service-Anbietern besetzt sind. Design-Tools, Entwicklungsumgebungen, Produktivitätssoftware – all diese Segmente geraten ins Visier von Unternehmen, deren Kernkompetenz die Entwicklung leistungsfähiger Large Language Models ist.
Figma selbst steht seit dem gescheiterten Adobe-Übernahmeversuch 2023 unter besonderer Beobachtung. Das Unternehmen hat zuletzt eigene KI-Funktionen in seine Plattform integriert und sich als Designwerkzeug für die KI-Ära positioniert. Ein direktes Konkurrenzprodukt von Anthropic würde diese Strategie unter erheblichen Druck setzen.
Strukturelle Verschiebung im Softwaremarkt
Was sich hier abzeichnet, ist keine isolierte Unternehmensanekdote, sondern ein Symptom struktureller Verschiebungen: KI-Labore verfügen über die technologische Basis, um Softwareprodukte erheblich schneller zu entwickeln als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig haben sie ein wirtschaftliches Interesse daran, ihre Modelle in Form von Endnutzerprodukten zu monetarisieren, anstatt sich ausschließlich auf API-Zugänge für Drittanbieter zu stützen.
Für viele Investoren ist die Frage, ob ein KI-Labor morgen in das eigene Kerngeschäft eintreten könnte, längst keine hypothetische mehr.
Für börsennotierte SaaS-Unternehmen hat diese Perspektive in den vergangenen Monaten wiederholt für Kursturbulenzen gesorgt.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Unternehmen, die ihre Softwareinfrastruktur auf spezialisierte SaaS-Lösungen aufgebaut haben, ergibt sich daraus eine strategische Planungsaufgabe: Die Anbieterlandschaft könnte sich in einzelnen Segmenten schneller verändern als bisher angenommen. Wer heute Lizenzverträge verlängert oder Plattformentscheidungen trifft, sollte die Marktentwicklung bei KI-nativen Alternativen gezielt beobachten – und Vendor-Lock-in-Risiken stärker gewichten als in früheren Beschaffungszyklen.
Quelle: TechCrunch AI