52 Jahre nach Apollo 17 schreibt die NASA erneut Geschichte: Mit der Artemis-II-Mission schickt die US-Raumfahrtbehörde erstmals wieder Menschen auf einen Kurs rund um den Mond – ein Meilenstein, der das Fundament für eine baldige Mondlandung legen soll und weit über Amerika hinaus Auswirkungen hat.
Artemis II: NASA schickt erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen Richtung Mond
Die NASA hat mit der Artemis-II-Mission vier Astronauten auf eine Flugbahn um den Mond geschickt – den ersten bemannten Mondflug seit dem Apollo-17-Programm im Jahr 1972. Die Mission testet das Orion-Raumschiff und die Space Launch System-Rakete unter realen Bedingungen mit Besatzung und gilt als direkter Vorläufer einer geplanten Mondlandung im Rahmen von Artemis III.
Mission und Besatzung
An Bord der Orion-Kapsel befinden sich vier Astronauten:
- Reid Wiseman – NASA-Kommandant
- Victor Glover – Pilot
- Christina Koch – NASA-Missionsspezialistin
- Jeremy Hansen – Astronaut der Canadian Space Agency (CSA)
Die Crew absolviert eine sogenannte Free-Return-Trajektorie – eine Flugbahn, die das Raumschiff ohne zusätzlichen Antrieb automatisch zur Erde zurückbringt, sofern kritische Systeme ausfallen sollten. Die Gesamtmissionsdauer beträgt rund zehn Tage.
Technologische Ziele der Mission
Im Mittelpunkt steht nicht die Mondlandung selbst, sondern die umfassende Validierung aller lebenserhaltenden Systeme, der Kommunikationsinfrastruktur sowie der Hitzeschutzschicht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.
Der Hitzeschild war bereits beim unbemannten Artemis-I-Flug 2022 auffällig geworden: Unerwartete Abnutzungserscheinungen wurden seither intensiv analysiert und angepasst.
Artemis II ist damit auch ein umfangreicher Systemtest unter operativen Bedingungen – mit Menschen an Bord als entscheidender Variable.
Das Space Launch System (SLS) gilt als leistungsstärkste Trägerrakete, die die NASA je betrieben hat. Für kommerzielle Raumfahrtunternehmen wie SpaceX oder Blue Origin bleibt das SLS aufgrund seiner staatlich finanzierten Struktur ein Vergleichsmaßstab in der Nutzlastkapazität.
Internationale Dimension
Die Beteiligung der Canadian Space Agency unterstreicht den multilateralen Charakter des Artemis-Programms. Über das Artemis Accords-Rahmenwerk haben sich inzwischen mehr als 40 Staaten zu gemeinsamen Prinzipien für die zivile Raumfahrt verpflichtet – darunter auch Deutschland über die Europäische Weltraumorganisation ESA.
Die ESA liefert das Europäische Servicemodul für das Orion-Raumschiff, das Antrieb, Strom und Lebenserhaltung bereitstellt – federführend bei der Fertigung ist Airbus Defence and Space mit Standorten in Bremen.
Wirtschaftliche Relevanz des Mondprogramms
Das Artemis-Programm hat ein wachsendes kommerzielles Ökosystem angestoßen. Unternehmen wie Intuitive Machines oder Astrobotic Technologies agieren als kommerzielle Mondlanderunternehmen im Rahmen des NASA-Programms Commercial Lunar Payload Services (CLPS). Parallel dazu investieren Technologiekonzerne in Anwendungsfelder wie:
- Satellitengestützte Navigationssysteme im Mondorbit
- In-situ-Ressourcennutzung – die Gewinnung von Wasser oder Sauerstoff aus Mondgestein
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Technologie- und Industrieunternehmen ergeben sich aus dem Artemis-Programm konkrete Anknüpfungspunkte:
- Die ESA-Beteiligung öffnet Lieferketten in den Bereichen Antriebstechnik, Thermalsysteme und Kommunikation
- Wachsender Bedarf an Softwarelösungen für Missionsplanung, Datenanalyse und Autonomiesysteme
Unternehmen mit Kompetenzen in eingebetteten Systemen und Sicherheitssoftware sollten die Ausschreibungsaktivitäten von ESA und DLR im Zuge der kommenden Artemis-Phasen aufmerksam verfolgen.
