Der USDC-Emittent Circle Internet Financial steht kurz vor seinem Börsendebüt – doch drei handfeste Belastungsfaktoren trüben das Sentiment: ein drohender Rendite-Ausschluss per Gesetz, ein aufholender Konkurrent und ein festgefahrener Gesetzgebungsprozess in Washington.
Circle vor dem Börsenstart: Drei Belastungsfaktoren für den USDC-Emittenten
Die Aktie von Circle Internet Financial steht unter Druck – noch bevor das Unternehmen offiziell an der Börse gehandelt wird. Ein geplantes Zinsverbot für Stablecoins, ein verbesserter Audit-Bericht eines direkten Konkurrenten und eine ins Stocken geratene US-Gesetzgebung haben das Sentiment rund um den USDC-Herausgeber zuletzt deutlich eingetrübt.
Kein Yield auf Stablecoins – ein Kernproblem für das Geschäftsmodell
Der wohl gewichtigste Belastungsfaktor ist regulatorischer Natur: Der aktuelle Entwurf des sogenannten GENIUS Act, der in den USA die rechtliche Grundlage für Stablecoins schaffen soll, sieht ein explizites Verbot vor, Inhabern von Stablecoins Zinsen oder Renditen auszuzahlen.
Für Circle wäre ein Yield-Produkt auf Basis von USDC eines der potenziell lukrativsten Geschäftsfelder – sowohl zur Kundenbindung als auch zur Differenzierung gegenüber Bankkonten und Geldmarktfonds.
Sollte das Verbot in seiner jetzigen Form Gesetz werden, müsste Circle diesen Wachstumspfad aufgeben. Das trifft das Unternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Circle hat im Januar 2025 einen IPO-Antrag bei der SEC eingereicht und braucht eine überzeugende Wachstumsstory für institutionelle Investoren.
Konkurrenz verschärft sich – Tether verbessert Transparenz
Ein weiterer Faktor ist der Aufholprozess des Hauptrivalen Tether. Der Emittent von USDT – dem nach Marktkapitalisierung größten Stablecoin der Welt – hat zuletzt seinen Attestierungsprozess ausgebaut und arbeitet offenbar an einem vollständigen Wirtschaftsprüfer-Testat. Genau das galt bislang als Alleinstellungsmerkmal von Circle.
Sollte Tether den Rückstand bei der Transparenz schließen, entfällt eines der zentralen Differenzierungsargumente von Circle gegenüber institutionellen Nutzern.
Gerade Banken, Zahlungsdienstleister und Unternehmenskunden in regulierten Märkten haben USDC bisher häufig bevorzugt, weil die Reservenachweise als verlässlicher galten. Dieses Argument verliert an Gewicht.
Gesetzgebungsprozess ohne klaren Zeitplan
Hinzu kommt die generelle Unsicherheit im US-Kongress. Der GENIUS Act, aber auch der konkurrierende STABLE Act, befinden sich seit Monaten im Gesetzgebungsverfahren – ohne absehbaren Abschluss. Für Circle bedeutet das: Das regulatorische Fundament, auf dem das IPO-Narrativ aufgebaut ist, bleibt vorerst unklar. Investoren preisen diese Unsicherheit entsprechend ein.
Das Unternehmen befindet sich dabei in einer strukturell abhängigen Position:
Das Kerngeschäftsmodell von Circle basiert auf Zinserträgen aus den USDC-Reserven – überwiegend in kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Bei sinkenden Zinsen oder ungünstiger Regulierung schrumpfen diese Margen erheblich.
Einordnung: Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?
Für Unternehmen hierzulande, die Stablecoins als Baustein digitaler Zahlungsstrategien evaluieren – etwa für grenzüberschreitende B2B-Transaktionen, Treasury-Optimierung oder die Anbindung an DeFi-Infrastruktur –, verdeutlicht die Situation rund um Circle ein strukturelles Risiko:
Regulatorische Unsicherheit in den USA wirkt sich direkt auf die Stabilität und Weiterentwicklung von Dollar-Stablecoins aus, die auch in Europa weit verbreitet sind. Die parallel laufende EU-Regulierung unter MiCA schafft für Euro-basierte Stablecoins zwar einen klareren Rahmen, doch die marktdominanten Dollar-Produkte bleiben vorerst an den politischen Prozess in Washington gebunden.
Wer strategische Abhängigkeiten von USDC oder ähnlichen Instrumenten aufbaut, sollte den US-Gesetzgebungsprozess aktiv und kontinuierlich beobachten.
Quelle: Decrypt – Three Reasons Why Circle’s Stock Is Under Pressure
