Mit dem Abgang von David Sacks als „AI and Crypto Czar” der Trump-Administration entsteht eine spürbare Lücke in der US-Technologiepolitik – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Krypto-Gesetzgebung und KI-Regulierung auf entscheidende Weichenstellungen warten.
David Sacks verlässt das Weiße Haus – offene Fragen zur KI- und Krypto-Regulierung bleiben
David Sacks, bislang als „AI and Crypto Czar” der Trump-Administration tätig, hat seine offizielle Rolle im Weißen Haus beendet. Sein Abgang erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem zentrale Gesetzgebungsvorhaben zu Kryptowährungen noch immer ungelöst sind – und auch die KI-Regulierungspolitik der USA in entscheidenden Fragen keine abschließende Form gefunden hat.
Abgang mit offenem Ende
Sacks, Mitgründer des Venture-Capital-Unternehmens Craft Ventures und langjähriger Tech-Investor aus dem Silicon Valley, hatte seit Beginn der zweiten Trump-Amtszeit eine einflussreiche Doppelrolle inne: Er koordinierte die Positionen der Regierung sowohl im Bereich Künstliche Intelligenz als auch bei digitalen Vermögenswerten. Nun scheidet er aus seiner formalen Funktion aus, soll dem Weißen Haus aber weiterhin beratend zur Seite stehen – in welchem Umfang und mit welcher institutionellen Anbindung, bleibt vorerst unklar.
Sein Weggang fällt in eine Phase, in der der US-Kongress noch über die sogenannte Market-Structure-Gesetzgebung für Kryptowährungen debattiert. Dieses Vorhaben gilt als eines der zentralen regulatorischen Projekte der Administration im digitalen Finanzbereich. Konkrete Abstimmungstermine stehen nicht fest.
KI-Politik unter Druck
Parallel dazu steht die KI-Regulierungspolitik der USA vor grundlegenden Weichenstellungen. Die Trump-Administration hatte frühzeitig auf einen deregulatorischen Kurs gesetzt: Ein Dekret aus dem Januar 2025 hob die KI-Richtlinien der Biden-Ära weitgehend auf und signalisierte, dass staatliche Eingriffe in die KI-Entwicklung minimiert werden sollen. Sacks war maßgeblich daran beteiligt, diesen Kurs öffentlich zu vertreten und gegenüber der Industrie zu kommunizieren.
Offen bleibt, wer künftig die koordinierende Funktion zwischen Technologieindustrie, Regulierungsbehörden und Weißem Haus übernimmt.
Gerade im Bereich der KI-Governance – etwa bei Fragen zu Haftung, Transparenzpflichten oder der Nutzung von KI durch Bundesbehörden – fehlt bislang ein konsistenter legislativer Rahmen.
Strukturelle Lücke in der US-KI-Politik
Die Ernennung eines dezidierten KI-Beauftragten im Weißen Haus war bereits bei ihrer Ankündigung als Signal gewertet worden, dass die USA KI-Politik stärker zentralisieren wollen. Sacks’ Abgang wirft nun die Frage auf, ob dieses Modell fortgeführt wird oder ob die Zuständigkeiten wieder stärker auf einzelne Behörden – etwa das NIST, die FTC oder das noch im Aufbau befindliche AI Safety Institute – verteilt werden.
Hinzu kommt, dass die USA im internationalen Vergleich weiterhin ohne verbindliches KI-Rahmengesetz agieren, während die EU mit dem AI Act seit 2024 einen klar strukturierten regulatorischen Pfad eingeschlagen hat.
Diese Asymmetrie beeinflusst zunehmend Entscheidungen international tätiger Unternehmen – und verschärft den regulatorischen Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsräumen.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Unternehmen, die KI-Anwendungen im US-Markt betreiben oder amerikanische KI-Anbieter einsetzen, bedeutet Sacks’ Abgang vor allem eines: Regulatorische Planungssicherheit in den USA bleibt auf absehbare Zeit begrenzt. Wer grenzüberschreitend agiert, tut gut daran, die eigene Compliance-Strategie primär am EU AI Act auszurichten und gleichzeitig die weiteren Personalentscheidungen im Weißen Haus zu verfolgen.
Ob und wie schnell eine Nachfolgelösung benannt wird, dürfte Aufschluss darüber geben, welchen Stellenwert die Trump-Administration einer kohärenten KI-Politik tatsächlich beimisst.
Quelle: Decrypt AI
