Fast die Hälfte aller neuen Streaming-Uploads stammt von KI – die Hörerschaft bleibt minimal

Der französische Streaming-Dienst Deezer schlägt Alarm: Fast jeder zweite neu hochgeladene Track stammt inzwischen von einer KI – doch gehört wird kaum einer davon. Die Zahlen offenbaren ein strukturelles Problem, das die gesamte Musikbranche unter Druck setzt.

Fast die Hälfte aller neuen Streaming-Uploads stammt von KI – die Hörerschaft bleibt minimal

Massenupload ohne Publikum

Laut Deezer machen KI-generierte Tracks bereits rund 18.000 der täglich hochgeladenen Songs aus – das entspricht etwa 47 Prozent aller Neueinspielungen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch im einstelligen Prozentbereich. Der Anstieg ist dramatisch, das Nutzerinteresse hingegen kaum messbar.

Die tatsächliche Streamingzeit, die auf KI-generierte Inhalte entfällt, bewegt sich nach Unternehmensangaben nahe null.

Dieses Missverhältnis deutet auf ein strukturelles Problem hin: Automatisierte Upload-Prozesse ermöglichen es, Plattformen mit Inhalten zu fluten, ohne dass ein echtes Publikum vorhanden ist oder angestrebt wird. Branchenbeobachter sprechen in diesem Zusammenhang von sogenannten „Catalog Stuffing”-Strategien, bei denen Streaming-Royalties durch künstlich erzeugte Abrufzahlen abgeschöpft werden sollen – ein Betrugsmodell, das die gesamte Branche unter Druck setzt.

Plattformen reagieren mit Erkennungssystemen

Deezer gehört zu den ersten großen Streaming-Diensten, die öffentlich Zahlen zu KI-Uploads kommunizieren. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge Systeme entwickelt, die KI-generierte Inhalte automatisch erkennen und entsprechend markieren sollen. Ziel ist es unter anderem, die Royalty-Ausschüttung fairer zu gestalten und menschliche Künstler nicht durch algorithmisch produzierte Masseninhalte zu benachteiligen.

Spotify und Apple Music haben bislang keine vergleichbaren Zahlen veröffentlicht, stehen aber vor denselben Herausforderungen. Die Recording Industry Association of America (RIAA) und europäische Verwertungsgesellschaften fordern zunehmend klare Kennzeichnungspflichten für KI-Musik sowie angepasste Lizenzierungsrahmen.

Qualität vs. Quantität im Musikmarkt

KI-Tools wie Suno, Udio oder Kling Audio ermöglichen es, in kurzer Zeit hunderte Tracks zu produzieren – ohne musikalische Ausbildung und zu minimalen Kosten. Das senkt zwar die Einstiegshürde für experimentelle Anwendungen erheblich, erzeugt aber gleichzeitig einen enormen Rauschpegel auf den Plattformen.

Für menschliche Künstler wird es schwieriger, Sichtbarkeit zu erlangen, wenn Algorithmen nicht mehr klar zwischen handgemachter und maschinell generierter Musik unterscheiden können.

Aus urheberrechtlicher Perspektive bleibt die Lage in der EU uneinheitlich. Der AI Act der Europäischen Union enthält zwar allgemeine Transparenzanforderungen für KI-generierte Inhalte, ein spezifischer Rechtsrahmen für Musikplattformen fehlt jedoch noch.

Einordnung für deutsche Unternehmen

Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die KI-generierte Musik für Marketing, Produktvideos oder digitale Produkte einsetzen, ergeben sich konkrete Konsequenzen:

  • Mit schärferen Kennzeichnungspflichten ist zu rechnen, sobald entsprechende EU-Regularien greifen.
  • Die Lizenzlage bei KI-Musiktools sollte sorgfältig geprüft werden – nicht alle Anbieter klären die Rechtssituation der generierten Werke hinreichend.
  • Die Nutzung solcher Tools für kommerzielle Zwecke birgt rechtliche Risiken, die bislang häufig unterschätzt werden.

Quelle: Decrypt AI

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