Gallup-Studie: Jeder zweite US-Beschäftigte nutzt KI am Arbeitsplatz – mit erheblichem Zeitaufwand

Eine neue Gallup-Erhebung belegt: Die Hälfte aller US-Arbeitnehmer setzt KI regelmäßig im Berufsalltag ein – und investiert dafür fast einen kompletten Arbeitstag pro Woche. Die Befunde werfen strukturelle Fragen auf, die weit über die USA hinaus relevant sind.

Gallup-Studie: Jeder zweite US-Beschäftigte nutzt KI am Arbeitsplatz – mit erheblichem Zeitaufwand

Verbreitung auf breiter Basis

Laut Gallup haben KI-Anwendungen in kurzer Zeit eine kritische Nutzungsschwelle überschritten. Etwa 50 Prozent der befragten Erwerbstätigen in den USA geben an, entsprechende Tools regelmäßig zu verwenden – sei es für Textgenerierung, Recherche, Datenanalyse oder Kommunikationsaufgaben. Die Verbreitung zieht sich dabei durch verschiedene Branchen und Hierarchieebenen, ist aber nach wie vor in wissensintensiven Berufsfeldern am stärksten ausgeprägt.

Fast acht Stunden pro Woche für KI-Interaktion

Besonders bemerkenswert ist der gemessene Zeitaufwand: Beschäftigte, die KI aktiv nutzen, verbringen durchschnittlich knapp acht Stunden pro Woche damit – das entspricht nahezu einem vollständigen Arbeitstag.

„Die Frage, ob dieser Zeitaufwand als produktive Investition oder als Effizienzverlust zu bewerten ist, lässt die Studie dabei offen.”

Entscheidend dürfte sein, welche Tätigkeiten durch den KI-Einsatz verdrängt oder ergänzt werden. Werden zeitaufwändige Routineaufgaben substituiert, erhöht sich die Nettoproduktivität. Verdrängt der Zeitaufwand für Prompt-Engineering und Nachbearbeitung hingegen Kernaufgaben, entsteht ein grundlegend anderes Bild.

Strukturelle Auswirkungen auf den Arbeitsplatz

Gallup beschreibt in der Studie nicht nur veränderte Arbeitszeitverteilungen, sondern auch qualitative Verschiebungen in der Aufgabenstruktur. Mitarbeitende übernehmen zunehmend eine kontrollierende und kuratierende Funktion gegenüber KI-Outputs. Klassische Tätigkeiten wie das eigenständige Verfassen von Texten, die manuelle Datenaufbereitung oder einfache Rechercheprozesse verlagern sich schrittweise in Richtung Überprüfung und Anpassung maschinell erzeugter Ergebnisse.

Die Beurteilung von Leistung und Arbeitsqualität wird schwieriger, wenn Prozesse zunehmend durch externe Systeme mitgestaltet werden.

Das stellt auch an Führungskräfte neue Anforderungen: Traditionelle Leistungsmetriken greifen dort zunehmend ins Leere.

Qualifikation und Vertrauen als zentrale Variablen

Die Studie hebt hervor, dass Mitarbeitende, die gezielt im Umgang mit KI-Tools geschult wurden, diese effizienter und zielgerichteter einsetzen. Ungezielter, unstrukturierter Einsatz führt hingegen eher zu Mehraufwand als zu Entlastung. Zwei Faktoren erweisen sich dabei als entscheidend:

  • Vertrauen in die Technologie – kombiniert mit einem realistischen Verständnis ihrer Grenzen
  • Strukturierte Schulungsmaßnahmen – statt ungeleitetem Trial-and-Error im Arbeitsalltag

Einordnung für deutsche Unternehmen

Die Gallup-Daten stammen aus dem US-amerikanischen Kontext, liefern aber relevante Orientierungspunkte für hiesige Unternehmen. Wer KI-Tools im Betrieb einführt oder deren Nutzung ausweitet, sollte den realen Zeitaufwand für Mitarbeitende systematisch erheben – und nicht allein auf abstrakten Effizienzversprechen der Anbieter vertrauen.

Gezielte Schulungsmaßnahmen, klare Anwendungsszenarien und definierte Qualitätsstandards für KI-generierte Outputs sind dabei keine optionalen Extras, sondern Grundvoraussetzungen für einen produktiven Einsatz. Für Personalverantwortliche stellt sich zudem die Frage, wie Leistungsbeurteilung und Rollenbeschreibungen angepasst werden müssen, wenn KI-Interaktion zum regulären Bestandteil fast jeder Stelle wird.


Quelle: ZDNet AI – „Increasing use of AI is causing structural workplace changes, new Gallup poll finds”

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