Googles KI-Assistent Gemini kann auf aktuellen Android-Geräten erstmals eigenständig Apps bedienen und Aufgaben ausführen – ein Praxistest auf Pixel 10 Pro und Samsung Galaxy S26 Ultra zeigt, was agentische KI heute bereits leistet und wo sie noch deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Gemini steuert Apps eigenständig: Praxistest offenbart Potenzial und Grenzen agentischer KI
Agentische KI im Alltag: Was Gemini aktuell kann
Die neue Task-Automation-Funktion erlaubt es Gemini, im Hintergrund Apps zu öffnen, zu navigieren und Aktionen durchzuführen – derzeit beschränkt auf eine Handvoll Dienste aus den Bereichen Essenslieferung und Fahrdienstvermittlung, darunter Uber und DoorDash. Die Funktion befindet sich noch in der Beta-Phase.
Der entscheidende Unterschied zu bisherigen KI-Assistenten: Gemini agiert nicht nur auf Basis von Sprachbefehlen, sondern übernimmt tatsächlich die Steuerung des Geräts und führt mehrstufige Aufgaben selbstständig aus.
Langsam, aber funktional: Die Realität hinter der Technologie
Der Praxistest macht deutlich, dass Gemini bei der App-Bedienung deutlich langsamer ist als ein menschlicher Nutzer. Wer dringend ein Taxi bestellen muss, ist nach wie vor besser beraten, dies selbst zu erledigen.
Die Stärke der Funktion liegt jedoch woanders:
Task Automation ist für den Hintergrundbetrieb konzipiert – der Assistent arbeitet weiter, während der Nutzer das Gerät für andere Zwecke nutzt oder es gar nicht in der Hand hält.
Diese asynchrone Arbeitsweise ist ein konzeptioneller Unterschied zu herkömmlichen Assistenzfunktionen, der die Einsatzmöglichkeiten grundlegend verändert. Technisch gesehen handelt es sich um einen frühen, aber realen Nachweis agentischer KI-Fähigkeiten – nicht in einer kontrollierten Vorführung, sondern im produktiven Betrieb auf handelsüblichen Endgeräten. Gelegentliche Fehler und träge Reaktionszeiten gehören aktuell zum Bild, die Grundfunktion ist jedoch nachweisbar stabil.
Einordnung: Agentische KI zwischen Versprechen und Gegenwart
Die Branche diskutiert agentische KI-Systeme – also solche, die eigenständig Ziele verfolgen und Werkzeuge nutzen – seit Jahren primär auf theoretischer Ebene oder in abgeschotteten Unternehmensumgebungen. Dass Google diese Fähigkeiten nun in ein Konsumgerät integriert, markiert einen Schritt in Richtung Massentauglichkeit.
Dennoch gilt:
Der aktuelle Funktionsumfang ist eng begrenzt, die unterstützten Apps sind wenige – von einer allgemeinen Automatisierungslösung für komplexe Workflows ist die Technologie noch weit entfernt.
Vergleichbare Ansätze verfolgen auch Apple mit einem erweiterten Siri sowie Microsoft mit Copilot-Agenten innerhalb des Windows- und M365-Ökosystems – mit jeweils unterschiedlichen Reifegraden und Einsatzbereichen.
Relevanz für deutsche Unternehmen
Für Unternehmen in Deutschland ist die Entwicklung vor allem als Indikator für die mittelfristige Richtung relevant: Agentische KI-Systeme, die eigenständig Prozesse in bestehenden Anwendungen ausführen, werden zunehmend in produktionsreife Umgebungen vordringen.
Wer heute Automatisierungspotenziale in Standardprozessen identifiziert und dokumentiert – etwa in den Bereichen Beschaffung, Kundenkommunikation oder interne Workflows – schafft die Grundlage, um entsprechende Systeme bei ausreichender Reife zügig integrieren zu können.
Die aktuellen Einschränkungen mahnen jedoch zur Nüchternheit: Verlässlichkeit und Geschwindigkeit agentischer Systeme müssen sich in kontrollierten Unternehmensumgebungen erst noch beweisen.
