Google baut Agenten-Infrastruktur für den Unternehmenseinsatz aus

Google hat auf der Cloud Next eine umfassende Enterprise-Agenten-Plattform vorgestellt – und definiert damit neu, wie Unternehmen autonome KI-Systeme im großen Maßstab entwickeln, steuern und betreiben können. Für den DACH-Markt stellen sich dabei vor allem Fragen rund um Datenschutz und regulatorische Konformität.

Google baut Agenten-Infrastruktur für den Unternehmenseinsatz aus

Google hat auf der Cloud Next seine Enterprise-Agenten-Plattform vorgestellt und damit den Rahmen für den unternehmensweiten Einsatz von KI-Agenten abgesteckt. Im Zentrum steht eine integrierte Umgebung, die es Unternehmen ermöglichen soll, autonome KI-Systeme zu entwickeln, zu steuern und skaliert zu betreiben – eingebettet in die bestehende Google-Cloud-Infrastruktur.


Agenten-Ökosystem statt Einzellösung

Der Ansatz von Google unterscheidet sich fundamental von isolierten KI-Assistenten: Die Plattform setzt auf ein Netzwerk spezialisierter Agenten, die miteinander kommunizieren und Aufgaben arbeitsteilig übernehmen können. Unternehmen sollen damit komplexe Geschäftsprozesse automatisieren, ohne jede einzelne Teilaufgabe manuell zu konfigurieren.

„Multi-agent architecture” – mehrere spezialisierte Systeme arbeiten koordiniert unter einem übergeordneten Steuerungsrahmen.

Die technische Basis bildet das Gemini-Modell in seiner Enterprise-Variante. Ergänzt wird es durch den sogenannten Agent Development Kit sowie Anbindungen an externe Datenquellen und Unternehmensanwendungen über vorgefertigte Konnektoren. Dazu zählen Integrationen mit SAP, Salesforce und weiteren Plattformen, die in vielen mittelständischen und großen Unternehmen zum Standard gehören.


Governance und Kontrolle als zentrale Versprechen

Ein wesentlicher Bestandteil der Ankündigung ist die Steuerungsebene: Google betont explizit, dass Unternehmen Genehmigungsworkflows, Zugriffsbeschränkungen und Audit-Protokolle für KI-Agenten einrichten können.

Angesichts regulatorischer Anforderungen – insbesondere durch den EU AI Act – ist dieser Aspekt für europäische Unternehmen besonders relevant.

Die Plattform soll nachvollziehbar machen, welcher Agent welche Entscheidung auf Basis welcher Daten getroffen hat. Über die Vertex AI-Plattform lassen sich Agenten zudem mit unternehmenseigenen Daten trainieren und anpassen, ohne dass diese die eigene Cloud-Umgebung verlassen müssen. Google positioniert das als Antwort auf Datenschutzbedenken, die insbesondere im deutschsprachigen Raum regelmäßig als Hürde für Cloud-KI-Adoption genannt werden.


Wettbewerb um die Unternehmensplattform

Google tritt mit diesem Ansatz in direkten Wettbewerb mit Microsoft (Copilot Studio), Salesforce Agentforce und ServiceNow. Der entscheidende Unterschied liegt laut Google in der Offenheit des Ökosystems:

Die Plattform soll auch Drittanbieter-Modelle und Open-Source-Komponenten unterstützen – und gibt Unternehmen damit mehr Flexibilität bei der Modellauswahl.

Für Entwickler steht ein Low-Code-Interface bereit, das die Erstellung einfacher Agenten ohne tiefes ML-Fachwissen ermöglicht. Gleichzeitig bietet die Plattform programmatische Schnittstellen für Teams, die komplexere Anpassungen benötigen.


Einordnung für den DACH-Markt

Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist die Plattform zunächst ein Infrastrukturangebot, das sorgfältige Evaluierung erfordert. Die Integration bestehender ERP- und CRM-Systeme über vorgefertigte Konnektoren senkt den Einstiegsaufwand deutlich.

Entscheidend wird jedoch sein, inwieweit Google verbindliche Zusagen zur Datenresidenz in europäischen Rechenzentren und zur Konformität mit dem EU AI Act machen kann. Unternehmen, die bereits auf Google Cloud setzen, sollten die Agenten-Funktionen im Rahmen bestehender Lizenzvereinbarungen prüfen, bevor separate Investitionen in proprietäre Automatisierungslösungen getätigt werden.


Quelle: ZDNet AI

Scroll to Top