Anthropic macht Ernst mit autonomer KI: Claude kann ab sofort eigenständig Dateien öffnen, Browser bedienen und Anwendungen steuern – auch dann, wenn niemand am Rechner sitzt. Was das für Entwickler und Unternehmen bedeutet, zeigt dieser Überblick.
Anthropic erweitert Claude: KI-Agent übernimmt eigenständig Computeraufgaben
Anthropic hat seine KI-Plattform Claude um eine Funktion erweitert, die es dem System erlaubt, selbstständig den Computer des Nutzers zu bedienen. Die neuen Fähigkeiten sind zunächst für die Tools Claude Code und Claude Cowork verfügbar und richten sich primär an Entwickler und technische Anwender.
Autonome Steuerung ohne Einrichtungsaufwand
Die neue Funktionalität ermöglicht es Claude, eigenständig Dateien zu öffnen, Webbrowser und Anwendungen zu bedienen sowie Entwicklerwerkzeuge auszuführen – und das auch dann, wenn der Nutzer nicht aktiv am Rechner sitzt. Anthropic bewirbt die Funktion mit dem Hinweis, dass kein zusätzlicher Einrichtungsaufwand notwendig sei.
Das Update baut auf autonomen Fähigkeiten auf, die Anthropic bereits 2024 mit dem Modell Claude 3.5 Sonnet eingeführt hatte. Mit dem aktuellen Schritt werden diese Mechanismen nun in die spezialisierten Agenten-Tools Claude Code und Claude Cowork integriert, die speziell für Programmieraufgaben und kollaborative Arbeit konzipiert sind.
Verfügbarkeit und technische Voraussetzungen
Derzeit befindet sich die Funktion in einer Research Preview und steht ausschließlich Abonnenten der Stufen Claude Pro und Max zur Verfügung. Die Computersteuerung ist vorerst auf macOS beschränkt. Technische Voraussetzung ist, dass die Claude-Desktop-App auf einem kompatiblen macOS-Gerät läuft und mit der mobilen App verknüpft ist.
Das System priorisiert bei der Aufgabenausführung native Integrationen zu unterstützten Diensten wie Slack oder Google Workspace. Sind keine solchen Konnektoren verfügbar, greift Claude dennoch auf die direkte Computersteuerung zurück, um Aufgaben abzuschließen.
Einordnung: Agentenbasierte KI gewinnt an Kontur
Mit diesem Schritt positioniert Anthropic Claude deutlicher im Segment der sogenannten AI Agents – Systeme, die nicht nur auf Eingaben antworten, sondern proaktiv Aufgaben in digitalen Umgebungen ausführen. Ähnliche Ansätze verfolgen auch Wettbewerber:
OpenAI hat mit dem Operator-Feature vergleichbare Computersteuerungsfähigkeiten für ChatGPT vorgestellt – Google arbeitet mit Project Mariner an analogen Konzepten.
Der Unterschied zu einfachen Chatbot-Interaktionen ist erheblich: Ein Agent, der Browser, Dateisystem und Anwendungen bedienen kann, verändert die Art, wie Entwicklungsteams Routineaufgaben delegieren. Gleichzeitig steigen damit die Anforderungen an Sicherheits- und Zugriffskontrollmechanismen spürbar.
Was deutsche Unternehmen beachten sollten
Für deutsche Unternehmen, die Claude-Tools bereits im Entwicklungsumfeld einsetzen oder deren Einsatz prüfen, sind vor allem zwei Aspekte relevant:
- Datensicherheit: Ein KI-Agent mit Zugriff auf lokale Systeme und SaaS-Anwendungen verarbeitet potenziell sensible Unternehmensdaten.
- Mitbestimmungsrechte: Für den produktiven Einsatz in Unternehmen mit Betriebsrat können Mitbestimmungsrechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz greifen, da automatisierte Überwachung und Steuerung von Arbeitsabläufen betroffen sein kann.
Unternehmen, die den Einsatz autonomer Agenten strategisch planen, sollten die Entwicklung eng verfolgen und frühzeitig interne Richtlinien für den Umgang mit KI-gestützter Systemsteuerung definieren.
Die Research-Preview-Phase lässt erwarten, dass Anthropic die Funktion in den kommenden Monaten weiter ausrollt – voraussichtlich mit Unterstützung weiterer Betriebssysteme und erweiterter Enterprise-Kontrollfunktionen.
Quelle: The Verge AI
