OpenAI macht ChatGPT zum Einkaufsberater: Mit visueller Produktsuche und dem neuen Agentic Commerce Protocol baut das Unternehmen einen eigenständigen Commerce-Layer in seine KI-Plattform ein – und positioniert sich damit direkt im Wettbewerb mit Google Shopping und klassischen Preisvergleichsportalen.
OpenAI erweitert ChatGPT um visuelle Produktsuche und Commerce-Protokoll
OpenAI hat ChatGPT um umfangreiche Shopping-Funktionen erweitert und stellt dabei das sogenannte Agentic Commerce Protocol (ACP) in den Mittelpunkt. Nutzer können ab sofort Produkte visuell durchsuchen, Optionen direkt vergleichen und Kaufentscheidungen innerhalb einer einzigen Konversation treffen.
Visuelle Produktsuche direkt im Chat
Die neue Funktionalität erlaubt es, Produkte nicht mehr nur textbasiert zu beschreiben, sondern auch Bilder hochzuladen, um ähnliche Artikel zu finden. ChatGPT präsentiert Ergebnisse anschließend mit Preisangaben, Bewertungen und Produktdetails in einer strukturierten Seitenansicht. Der Vergleich mehrerer Artikel erfolgt direkt im Interface, ohne dass Nutzer zwischen verschiedenen Tabs oder Websites wechseln müssen.
OpenAI positioniert diese Funktion als Lösung für ein konkretes Problem: Die klassische Produktrecherche im Web ist zeitintensiv und fragmentiert, insbesondere wenn Käufer noch unentschlossen sind. ChatGPT soll diesen Prozess durch konversationelle Verfeinerung erheblich verkürzen.
Die Updates stehen ab dieser Woche allen Nutzern der Free-, Go-, Plus- und Pro-Tarife zur Verfügung.
Das Agentic Commerce Protocol als technische Basis
Kern der Erweiterung ist das Agentic Commerce Protocol (ACP), das OpenAI nun explizit auf Product Discovery ausweitet. Das Protokoll bietet Händlern eine standardisierte Schnittstelle, um ihre Produktdaten vollständig, aktuell und kontextrelevant in ChatGPT einzuspeisen.
Anders als bei herkömmlichen Preisvergleichsportalen oder Suchmaschinen-Shopping-Tabs richtet sich ACP an eine KI-native Infrastruktur, in der Agents autonom Produktinformationen abrufen, filtern und präsentieren können.
OpenAI beschreibt das ACP als Grundlage für einen eigenständigen Commerce-Layer innerhalb von KI-Anwendungen – ein Ansatz, der mittelfristig auf vollständig automatisierte Kaufprozesse abzielt.
Strategische Relevanz für den Handel
Für Händler bedeutet die Integration primär eines: Sichtbarkeit bei kaufbereiten Nutzern. OpenAI betont, dass die über ChatGPT generierten Suchanfragen typischerweise von Nutzern mit konkreter Kaufabsicht stammen – eine andere Qualität als der breite Traffic über allgemeine Suchmaschinen. Die Plattform positioniert sich damit als ergänzender Kanal zwischen organischer Suche und bezahlter Werbung.
Offen bleibt derzeit, nach welchen Kriterien Produkte in den Ergebnissen gewichtet werden und ob Händler künftig für eine bevorzugte Platzierung zahlen können. OpenAI hat zu Monetarisierungsmodellen im Commerce-Bereich bislang keine Details veröffentlicht.
Einordnung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Händler und E-Commerce-Anbieter stellt sich kurzfristig die Frage, ob und wie ihre Produktdaten über das Agentic Commerce Protocol erreichbar sind. Wer bereits strukturierte Produktfeeds etwa für Google Shopping oder andere Aggregatoren betreibt, sollte prüfen, inwiefern eine ACP-Anbindung technisch umsetzbar ist.
Mittelfristig könnte der Kanal erheblich an Bedeutung gewinnen, da KI-gestützte Produktsuche zunehmend den klassischen Sucheinstieg ergänzt. Unternehmen, die frühzeitig ihre Produktdaten für KI-Agenten optimieren, dürften gegenüber Mitbewerbern einen strukturellen Vorteil aufbauen – unabhängig davon, wie schnell sich das ACP als Industriestandard durchsetzt.
Quelle: OpenAI News
